Beschreibung
Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel (auch Hartenfels, Simon Lengfrisch von) (auch Hirschfeld, Samuel Greifensohn) (auch Sulfort, German Schleifheim v.)
Titel: Simplizissimus
Reych: Nr. 271 Offenburgia Badensis (Offenburg)
Geb.: um 1621 in Gelnhausen
Gest.: 17.08.1676 in Renchen
Volltext
deutscher Dichter Die Schlaraffia Offenburgia Badensis (271) hat Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen zum Ehrenschlaraffen „Simplicissimus“ erkürt, weil er als Heroe der Kunst (Literatur) in der Gemarkung des Reyches gelebt und gewirkt hat. Grimmelshausen wird wohl 1621 im hessischen Gelnhausen in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) mit seinen unmenschlichen Exzessen hineingeboren. 1639 gehört er zum Regiment des Freiherrn Reinhard von Schauenburg, Kommandant der von schwedischen Heeren attackierten Reychsstadt Offenburg. 1649 heiratet er in Offenburg. Sein ehemaliger Regimentskommandeur bestellt ihn zum Schaffner (Verwalter) seiner Güter in Gaisbach, heute ein Ortsteil von Oberkirch im Renchtal. Daneben betreibt Grimmelshausen die Gaststätte „Zum silbernen Stern“, die heute noch Gaststätte ist und so heißt. In diese Zeit dürften die wesentlichen literarischen Aktivitäten fallen. Ab 1667 ist er bis zu seinem Tode 1676 Schultheiß (Bürgermeister) in Renchen, auch an der Rench und 12 km nördlich von Offenburg. Somit ist Grimmelshausen ein Sesshafter der Ortenau, des heutigen Landkreises mit Sitz in Offenburg und der Gemarkung des Reyches mit Sitz in der Offenen Burg. Der Name Grimmelshausen ist bis heute verbunden mit seinem Hauptwerk „Der abenteuerliche Simplizissimus“ von 1668/1669, zur Weltliteratur gehörend und Bestseller bis Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“. Der Roman ist die Geschichte einer deutschen Misere mit Menschenvernichtung und Menschenverachtung. Er schildert eine destabilisierte Welt, auf die in keiner Hinsicht Verlass ist. Die Einsicht in die Unbeständigkeit und dass der Schein trügt sind durchgängiges Leitmotiv. Auch schildert er in fiktiver Autobiographie das widerspruchsvolle Leben der Hauptfigur Simplicius. Dieser gleicht dem modernen Menschen, der in pausenloser Mobilität sein Heil sucht und doch am Ende erfahren muss, dass ihn die Überflutung mit immer neuen Eindrücken unerfüllt lässt, sodass er sich von der profanen Welt abkehrt. Grimmelshausen ist es gelungen, dass dem Leser ein Vergnügen erwächst, das im Stoff selber keine Heimat hat. Er macht das Unerträgliche erträglich, indem er es in eine volkstümlich-bildhafte Erzählsprache bettet. Es hat ihm „wollen behagen, mit Lachen die Wahrheit zu sagen.“ Grimmelshausens Romanwelt ist kein Narrenspiegel wie bei S. Brants „Narrenschiff“, sondern Narrenschauplatz, in der die Narren meistens nicht die sind, die dafür gehalten werden, so wie die Weisen zumeist die sind, die vor der Welt als Narren erscheinen. Narrentümliche Verrücktheit und Entrücktheit von der profanen Welt – Grimmelshausen hätte ein veritabler Schlaraffe sein können, was er dann auch als Ehrenschlaraffe geworden ist. Wir in der Offenburgia Badensis verehren Grimmelshausen (seine Person, seine Werke, seine Zeit und seine Heimat), indem wir in verschiedenen Beiträgen und Bildnissen die Erinnerung an ihn immer wieder wach halten. Auch zeichnen wir Ritter, die nicht dem Reych angehören, für freundschaftliche Verbundenheit aus, indem wir sie in die „Simplicissimus-Ritterschaft“ aufnehmen. (Text: Rt. Silvester (271))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt