271 Offenburgia Badensis
Unsere Reychschronik in Band III schloss mit dem Wunsch, dass der künftige Chronist von einer
gedeihlichen Weiterentwicklung berichten kann. Ja, er kann! Geborgen in der Offenen Burg, verlän-
gerte sich konstant die Sippungs-Perlenkette. Eine bunte Vielfalt von anregenden Themen ließ uns
auf der schlaraffischen Blumenwiese Purzelbäume schlagen, den Humor auf die leichte Schulter
nehmen und „In-arte-voluptas” Reverenz erweisen.
Getreulich spielten mit uns Freunde anderer Reyche, von denen wir etliche in die a.U. 132 gegründe-
te dreistufige „Simplicissimus-Ritterschaft„ aufnahmen. Freudvolle weitere Konstanten:
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alljährliche Wechsel-Sippungen mit den Freunden des Castrum Solodurum, der Hohen
Freudenstatt und der Tochter Hohenschramberg,
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Waldspeckessen im Forste des niederen Hanauer Landadels (Rt. Erlkönig) und
Germatt-Sommerfeste (Junkertafel)
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in Inhalt und Form fürtrefflichste Schmierbuch- und Einkleber-Fechsungen unseres
Schreibmeisters Rt Graph-Strich,
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unser Kantzler Rt Silvester, seit a.U. 117 bis a.U. 148 unermüdlich gleichsam unser
Geschäftsführer und unser „Reychsgedächnis”
Was für ein Höhepunkt: Unsere 75. Gründungsfeier a.U. 143 in simplicianischer Heiterkeit und
familiär-freundschaftlichem Rahmen. Und: Uhu beglückte uns mit Mutterfreuden!
A.U 130 entließen wir schmerzfrei in die schlaraffische Welt unsere Tochter Hohenschramberg. Ihre
Laktose-Unverträglichkeit konnte sie gleich dank unserer Lethe-Gene überdecken. Dies ließ unser
„allzeit lethefrohes Reych” erstolzen und weiter stolz sein auf ihre allseits gefällige Spiel-Freude.
Wie Frohsinn fördernd: auf dem Hochseil zu artifechsen mit dem Netz der Mutter-Ziehmutter-
Tochterreyche und Allschlaraffias darunter!
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
273 Detroitia
Mit Recht waren wir stolz auf unsere Burg im Osten Detroits. Unter Rt Konterfeys künstlerischer
Leitung wurde ein alter Laden in einen mittelalterlichen Burgsaal verwandelt. Die Sassenschaft war
auf 56 angestiegen; wir waren damals das mitgliederstärkste Reych im LVNA. Wir sippten dort 20
Jahre. Bald jedoch stellten sich Sorgen und Nöte ein.
Die Gegend um unsere Burg wurde immer unsicherer. Die sozio-ökonomische und demografi-
sche Zusammensetzung veränderte sich; die Nachbarschaft verfiel. Obwohl wir an jedem Abend
für eine Wache berappen mussten, wurden nicht nur Radkappen und Räder, sondern auch ein Auto
gestohlen.
Wir scheuten uns, Gäste zu laden und unsere Burgfrauen zu Festlichkeiten zu bitten. Die Mitglied-
schaft war auf einen Tiefpunkt angelangt; keiner wollte sich in Gefahr begeben. Die Stadtpolizei war
unfähig – oder unwillig – uns Schutz und Genugtuung zu verschaffen.
Mit Zustimmung der Sassen beschloss der OR, das Gebäude zum Verkauf anzubieten und eine
neue Burg in einer anderen Stadtgegend zu suchen. Wir waren schon bereit, das Gebäude abreißen
zu lassen und als Parkplatz zu verdingen, nur um die Steuern zu sparen. Da bewährte sich unser
Rt Luftschreck als ausgezeichneter Verhandlungspartner. Er verkaufte unsere alte Burg an einen
Motorradclub. Er verhandelte mit den „Boogie Downers” so lange, bis sie $ 18.000 auf den Tisch
legten.
Nach zweijähriger angestrengter Suche gelang es uns endlich, ein neues Gebäude zu erstehen. OÄ
Amoroso hatte damals sein Domizil in Redford, einem westlichen Vorort, und war Mitglied des
Stadtrats. Auf dem Dienstwege erfuhr er von Gebäuden, die zum Verkauf standen. Eines davon war
ein Elektronenladen, gegenüber dem Rathaus und der Polizeistation. Außer uns hatten sich noch
8 andere Interessenten um den Kauf beworben. Vier der sechs Stadträte hatten im vergangenen
Sommer herrliche Tage mit Rt Amoroso in Redfords Partnerstadt, St. Johann in Tirol, verlebt. Eine
begeisterte Diskussion entwickelte sich. Schließlich musste die Sekretärin des Bürgermeisters zum
Abschluss der Verhandlung mahnen. Das Gebäude wurde der Detroitia zugeschlagen.
Viele unserer Sassen und auch Freunde aus benachbarten Reychen haben damals „mit Freuden und
sofort” einen Obulus zum Burgbaufond beigetragen. Unsere Goldene Eminenz, unser verehrter Rt
Diwan, hatte eine beträchtliche Summe hinterlassen, so dass wir das Gebäude zinsfrei erwerben
konnten.
Das 60. Stiftungsfest feierten wir bereits in der neuen Burg. Am 15.11. a.U. 127 gelang es unserer
Tochter, der hohen Floridana, die Porta Pasconia ins Leben zu rufen, und im Lethemond a.U. 144
konnten wir, unter großer Beteiligung vieler Reyche, unser 75. Stiftungfest in fulminanter Weise
celebrieren.
Auf dem Gebiet der Kunst waren Sassen unseres Reyches bestens vertreten. Die Deutsche Bühne
Detroit, von Schlaraffen gegründet, geleitet und besetzt, war damals (1954-2002) eines von drei
deutschen Theatern in Nordamerika. Heute „glänzt” unser „Burgschmierentheater” nur noch ab
und zu mit theatralischen Einlagen zur Belustigung und Unterhaltung der Sassenschaft.
Das Reych Detroitia hat in seiner Geschichte sowohl Zeiten des Aufschwungs, der Stagnation als
auch der Existenzbedrohung erlebt, doch sippen wir nun schon 22 Jahre in unserer herrlichen Wol-
verina-Burg und hoffen, dass der Uhu auch fürderhin seine schützenden Fittiche über die Detroitia
breiten wird.
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