Beschreibung
Erhardt, Heinz
Titel: Noch n Gedicht
Reych: Nr. 330 An den Quellen (Bad Kissingen)
Geb.: 20.02.1909 in Riga
Gest.: 05.06.1979 in Hamburg
Volltext
deutscher Musiker, Dichter, Komiker, Schauspieler Es soll manchen Dichter geben, der muss dichten, um zu leben. Ist das immer so? Mitnichten Manche leben, um zu dichten. Dieser Vierzeiler ohne Titel ist so typisch für Heinz Erhardt und bringt seine Lebensphilosophie auf den Punkt. Er lebte, um zu dichten! Die Verse sprudelten nur so aus ihm heraus, meist eingeleitet von seinem Lieblingsspruch, der für ihn Programm und Markenzeichen war: „noch ́n Gedicht!“ Dieser begnadete Kabarettist, Dichter und Schauspieler verkörperte mit seiner sprichwörtlichen Fröhlichkeit und seinem Mutterwitz allerbeste schlaraffische Tugenden. Ohne unser Spiel zu kennen, ließ er den Goldenen Ball nach Herzenslust fliegen. Im Grunde wäre er die Verkörperung schlaraffischer Ideale gewesen. Weil er einfach zu Schlaraffia passt, hat das Reych „An den Quellen“ beschlossen, Heinz Erhardt als Ehrenschlaraffen und Rt „noch ́n Gedicht“ in unsere Reihen zu integrieren. Heinz Erhardt wurde am 20.2.1909 in Riga geboren und wuchs, mit Unterbrechungen, bei seinen Großeltern auf. Die Wirren des 1. Weltkrieges waren letztlich der Grund dafür, dass er die Schule ohne Abitur verließ. Der Tod des Großvaters war für den jungen Heinz ein herber Schlag. Fortan widmete er sich seinen künstlerischen Neigungen, schrieb ein kleines Unterhaltungsprogramm und tingelte damit auf privaten Feten und Vereins- Veranstaltungen. Im Frühjahr 1934 lernte er seine spätere Frau Gilda kennen. Es war die berühmte Liebe auf den ersten Blick. Ein Jahr später heiratete er. Gilda begleitete ihn über 45 Jahre auf fast allen seinen Wegen. Im Juni 1936 bekam das junge Ehepaar Erhardt Töchterchen Grit, genannt Gigi und zogen bei Gildas Mutter ein. Ein Segen, denn die Großmutter, zärtlich „Babu“ genannt, zog alle vier Enkel groß und blieb bei ihnen, während Heinz und Gilda zu Gastspielreisen unterwegs waren. Nach anfänglichen Misserfolgen gelang es ihm, in Berlin bei Willi Schaeffers in dessen „Kabarett der Komiker“ Fuß zu fassen. Damit war der Durchbruch geschafft. – Im Kriege wurde er zur Wehrmacht einberufen und reiste als Truppenbetreuer an die verschiedenen Frontabschnitte. Nach Kriegsende wagte Heinz Erhardt einen Neuanfang beim Rundfunk, dem NWDR, und moderierte zusammen mit Willy Meyen die Sendung „So was Dummes“. Es folgte das Lustspiel „Lieber reich, aber glücklich“, das allein in Hamburg mehr als 35.000 Zuschauer ins Theater lockte. Diese Welle des Erfolges hielt über 25 Jahre an und machte ihn zum Publikumsliebling schlechthin. Der Erfolg blieb ihm auch bei den Kinofilmen treu. Mit seiner Hauptrolle in „Witwer mit fünf Kindern“ brach er alle Kassenrekorde. Neben Loriot war er der größte „Spaßmacher deutscher Sprache“ im 20. Jahrhundert. Mit der Veröffentlichung seiner Gedichte unter dem Titel „Noch ́n Gedicht“ lag die erste Druckfassung seiner Gedichte vor. Es folgten weitere Bände und schließlich „das große Heinz Erhardt Buch“, das sich auch heute noch gut verkauft. Im Dezember 1971 erlitt Heinz Erhardt einen Schlaganfall, der seine Karriere abrupt beendete. Besonders tragisch, dass sein Sprachzentrum nicht mehr arbeitete. Wie muss dieser Mann gelitten haben, dessen Handwerkzeug die Sprache war. Nach dem Schlaganfall ist kein einziges Wort mehr über seine Lippen gekommen. Mit technischen Tricks wurde 1979 die von ihm schon früher komponierte Oper „Noch ́ne Oper“ im Fernsehen gesendet. Aus Anlass seines 70. Geburtstages erhielt er 1979 das Große Bundesverdienstkreuz. Heinz Erhardt starb am 5. Juni 1979. Auch viele Jahre nach seinem Tode ist er unvergessen. In Göttingen wurde ein Platz nach ihm benannt, im „Walk of Fame“ vor dem Kabarett in Mainz wurde ihm ein Stern gewidmet. Im profanen Bad Kissingen weilte er wiederholt zu Gastspielen. (Text: Rt. Ben Barba (330), leicht gekürzt aus DSZ 5 / 155)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt