Otto Bögeholz — Der erfundene Heimatdichter

Unbekannt ·Anlagen zu SP & Cer

Beschreibung

**Otto Bögeholz** — Erfundener schlaraffischer Heimatdichter aus Ostwestfalen.
Ein Schlaraffe aus der Lüneburger Heide begann um 1963 die Legende zu erzählen. Das Reych Cell-Erika (346) nahm die Idee auf und schuf eine ganze „Biografie" mit Gedichtbänden, einem Institut und einer Bögeholz-Stube.

Reych: Nr. 346 Cell-Erika (Celle)
Gedichtbände: „Alles ist Gefühl" (1985), „Gefühl ist alles" (2005), „Die verschollenen Gedichte" (a.U. 152)
Bögeholz-Institut, Bögeholz-Ritter, Bögeholz-Stube im Tatenhausener Schloss

Stichworte: Bögeholz, Cell-Erika, 346, Heimatdichter, erfundener Dichter, Ritterarbeit, Tatenhausen, Gedichte

Volltext

erfundener schlaraffischer Dichter. Ein Schlaraffe aus der Lüneburger Heide begann um 1963 zu erzählen, es habe in Ostwestfalen einen Dichter gegeben, Otto Bögeholz. Das Reych Cell-Erika (346) nahm die Idee mit Begeisterung auf, erstellte eine „Biografie“, und „entdeckte“ immer wieder neue Details und Gedichte. 1968 wurde im Tatenhausener Tann eine Bögeholz-Eiche zum Gedächtnis gepflanzt. 1979 wurde in Wattenbüttel auf Antrag des Ratsmitgliedes Dr. Klaus Wrede eine Straße nach Otto Bögeholz benannt. Schlaraffen haben sich inzwischen in verdienstvoller Weise der weiteren Erforschung des Lebens und Schaffens dieses Künstlers angenommen, so dass im Laufe der Jahre spannende Einzelheiten über ihn ans Tageslicht gekommen sind. Sogar Erben meldeten sich. Als man dem Reych Porta Ontariae (349) in Toronto, Canada, erlaubte, sich an der Bögeholz-Forschung zu beteiligen, kam wenig später ein Brief der dortigen Rechtsanwälte Morris und Decker, die im Auftrag ihrer Klienten Bedgewood und Begdewood anfragten, ob Otto Bögeholz materielle Güter hinterlassen habe. 1985 und 2005 erschienen die beiden Gedichtbände „Alles ist Gefühl“ und „Gefühl ist alles“. Als dann a.U.152 vom Albert-Sixtus-Archiv ein Gedichtband eines Heimatdichters namens Bögeholz „Bögeholz – Die verschollenen Gedichte“ herausgegeben wurde, welches viele Gedichte und weitere Einzelheiten der Biografie von Bögeholz enthielt, man also schlussfolgern konnte, dass es sich hierbei tatsächlich um Otto Bögeholz gehandelt hat und er tatsächlich gelebt hat, schlugen hohe Wellen aus dem Reych Cell-Erika bis ins ferne Görlitz. Man sprach von nicht autorisierter Forschung und wollte sogar die Herausgabe des Buches verhindern. Als sich dieses Werk dann als Ritterarbeit des Jk Ulrich der Dresa florentis (411) herausstellte, beruhigten sich die Gemüter etwas. Leider ist die Vielzahl von biografischen Fakten und Hintergründen bis heute nicht offiziell vom Reych Cell-Erika anerkannt. Biografie: westfalische Heimatdichter, * 26. November 1805 Tatenhausen bei Bielefeld als Sohn von Kleinbauern Seine engere Heimat ist die Ravensberger Mulde. Sie umfasst das Lipperland mit Werra und Bega und das Land zwischen Bielefeld und Minden, das Ravensberger Land. Er wächst ohne Schulbildung und in ärmlichen Verhältnissen auf. Als der fast zehnjährige Bögeholz einen Sohn derer Grafen von Ravensberg aus dem Eiswasser des Bokeler Dorfweihers zieht, wo dieser beim Schlittschuhlaufen eingebrochen war, beginnt eine Knabenfreundschaft, die Ottos Gesamtentwicklung einschneidend verändert. Elek, der Grafensohn, vermittelt dem Freund das Lesen, Schreiben und Rechnen, indem beide den Unterrichtsstoff der von Elek besuchten Standesschule in Halle aufnehmen. Bögeholz ist bald in der gräflich-gutsherrlichen Bibliothek zu Hause und eignet sich rasch ein beachtliches Wissen an. Die Gutsherrenfamilie fördert ihn. Vieles lässt darauf schließen, dass der später joumalistisch und schriftstellerisch z.B. beim Bielefelder Tageblatt tätige Bögeholz vom Hauslehrer zusammen mit Elek einige Jahre unterrichtet wurde. Diese väterliche Fürsorge verstärkte sich bis hin zu Adoptivabsichten, als der junge Elek auf tragische Weise ums Leben kam. Bögeholz ist wahrscheinlich in Bielefeld und Halle weiter ausgebildet worden. Mit l6 Jahren schreibt er seine ersten Gedichte. Mit 20 Jahren hat er sein erstes Verhältnis mit Helene Niggebrügge, Frau eines Leichenbestatters aus Bielefeld. Sein zwei Jahre älteren Bruder Oskar Bögeholz absolvierte eine Elektrikerlehre bei August Twellenkamp, genannt „Im Syke“ in Halle und arbeitete danach im Steinhagener Dampfkraftwerk. 1827 gewann er eine Amerikareise in der Bielefelder Lotterie. Auf dieser Reise besuchte er in Kanada seinen Onkel. Beeinflusst von der vergangenen Romantik und den klaren Linien des Klassizismus unternimmt Bögeholz im Auftrage des Bielefelder Tageblattes 1828 eine Rom-Reise, die ihm vielfältige Erlebnisse und Ehrungen bringt. 1833 heiratet er seine Jugendliebe ist Frieda (Ricke) Nölkenhöhner, bildschöne, gutgewachsene, dunkelhaarige Tochter eines Tagelöhners und einer französischen Courtisane aus dem Gefolge des Königs „Lustik“-Jerôme von Westfalen. Ihr galten seine schönsten Liebesgedichte. Kurz danach wurde seine Tochter Klara geboren. 1834 unternahm er eine Harzreise. Ein besonderes Verhältnis verband ihn mit Johann Wolfgang von Goethe, sein geliebter Freund „Wolfgang“. An den politischen Verhältnissen 1848 zeigt er wenig Interesse, eher trägt er sich mit Auswanderungsgedanken, denn das kommunistische Manifest von Karl Marx 1848 findet nicht seinen Beifall. Ein Jahr nach Gründung der Zeitschrift „Gartenlaube“ in Leipzig 1853 wird er einer deren gem gelesenen Mitarbeiter heimatlicher Dichtung. Mit Gottfried Keller, dem Dichter des „Grünen Heinrich“, steht er in Briefwechsel. Zur Pariser Weltausstellung 1855 reist der Fünfzigjährige nach Paris; ein unvergessliches Erlebnis! Auch begeistert er sich für Heinrich Schliemann, der 1863 das homerische Troja ausgräbt und Bögeholz zu heimatlich-erdgeschichtlichen Betrachtungen anregt, wie etwa der „Moorleiche“. Sein Beifall gilt 1865 der Genfer Konvention und Henry Dunant, dem Begründer des Roten Kreuzes. Er verfolgt mit Spannung die Erkundigungen Livingstones 1849 im Sambesi- Gebiet und 1867 im Kongo-Becken; Stanleys Kongo- Expedition 1877. Die Aufhebung der Negersklaverei in Brasilien 1871 nennt er eine soziale Tat. Bögeholzens Weltoffenheit führt ihn 1873 noch einmal zu einer Weltausstellung nach Paris. Im Jahre darauf stirbt wieder einer der Freunde, der plattdeutsche Dichter Fritz Reuter(1810-1874). Weder der Kulturkampf ab 1872 noch das Sozialistengesetz können die Zustimmung von Bögeholz bekommen; die Erfindung des Mehrladergewehrs 1878 nennt er eine ungeheuerliche Versuchung; die Erfindung der Kohlefadenlampe 1880 durch Edison dagegen einen bemerkenswerten Fortschritt für die Menschheit. Nach Gründung der Deutschen Goethe-Gesellschaft 1885 wird Otto Bögeholz bald in den Vorstand berufen. Maßgeblich ist er an der Herausgabe der gesammelten Goetheschen Werke literarisch beteiligt. Der 80-jährige Dichter spürt, dass seine Jahre des Schaffens gezählt sind. In seinem Gedicht „Der Friedhof“ spricht er es aus: „Wartet, bald kommt Otto auch!" Wäre er noch jünger, so meinte er zu Freunden, dann würde er sich gerne in die von deutschen Kaufleuten erworbenen und dann vom Deutschen Reich übernommenen Kolonien Deutsch-Südwestafrika, Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika begeben. Die Fremde lockte ihn sein ganzes Leben lang. Von seinem guten Freunde, dem deutschen Humoristen Wilhelm Busch, erhält er zu seiner großen Freude die Erstausgabe des Werkes „Humoristischer Hausschatz“ mit einer Widmung. 1888 erreicht Otto Bögeholz die Todesnachricht von Theodor Storm, dessen „Schimmelreiter“ er nicht oft genug lesen konnte. Auf Anraten seiner Freunde verzichtete Bögeholz schließlich auf die dritte Paris-Reise anlässlich der Weltausstellung 1889. Die letzten Jahre seines Lebens sind noch weitgehend unerforscht. Die Tatenhausener erinnern sich gern an die fröhlichen Stammtischrunden in der heute als „Bögeho1z-Stube“ bekannten Tatenhauser Schlosswirtschaft, dessen Wirt noch das alte Rechnungsbuch vorzeigen kann. Da durch den großen Kirchenbrand und einer dabei schnell um sich greifenden Feuersbrunst um die Jahrhundertwende die Tauf- und Sterberegister Tatenhausens ein Raub der Flammen wurden, fallt der amtliche Nachweis des Todestages und Ortes schwer. In der Brennerei Schlichte steht zum l. Juni l895 eine größere Lieferung des weltberühmten Schnapses anlässlich der Beerdigung des großen Tatenhausener Sohnes zu Buche. Daher wird dieses Datum als Todestag angenommen. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof Stockkämpen. (teilweise entnommen der Heimseite der Cell-Erika und dem 1.Bögeholz-Buch Alles ist Gefühl)

--- Weitere Einträge zum Bögeholz-Universum ---

**Tatenhausen**
Geburtsort von ↑ Bögeholz, Otto
**Elek**
Freund von ↑ Bögeholz, Otto
**Graf von Ravensberg**
↑ Bögeholz, Otto
**Nölkenhöhner, Frieda**
Jugendliebe von ↑ Bögeholz, Otto
**Niggebrügge, Helene**
↑ Bögeholz, Otto
**Alles ist Gefühl**
Erste Sammlung von ↑ Bögeholz-Gedichten, erschienen 1985, Nachdruck 2002
**Gefühl ist alles**
Zweite Sammlung von ↑ Bögeholz-Gedichten, erschienen 2005.
**Bögeholz, Oskar**
Bruder von ↑ Bögeholz, Otto
**Bögeholz-Erbe**
Die Erfindung des Heimatdichters Otto Bögeholz geht auf das Reych Cell-Erika (346) zurück. Dieses Reych verwaltet daher alle historischen Quellen und neu entdeckten Hinweise zu Bögeholz und sieht sich als Bewahrer und Hüter des Bögeholz-Erbes.
**Bögeho1z-Stube**
Raum in der Tatenhausener Schlosswirtschaft, ↑ Bögeholz, Otto
**Bögeholz-Institut**
Das von Rt Don Immo-nett (346) ins Leben gerufene und am Hofe zu Cell-Erika angesiedelte "Bögeholz-Institut" befasst sich mit der Sammlung, Sichtung und Auswertung sowie der Authentifizierung der Urkunden und Fundstücke, so dass sich dermaleinst eine lückenlose Biographie nachweisen lassen wird, wie auch dass das Lebenswerk dieses begnadeten Geistesheroen zentral archiviert und für Schlaraffia erhalten werden kann. Neben dem Forschungsleiter Austria, dem Rt Potz-Blitz aus dem Reych An der Leuben (239) konnten bereits namhafte Bögeholz-Ritter für die Mitarbeit gewonnen werden.
**Bögeholz-Ritter**
Titel im Reych Cell-Erika (346) für Sassen des eigenen Reychs und befreundete Sassen, die sich um die Erforschung des Dichters Otto Bögeholz besonders verdient gemacht haben.
**Bögeholz-Broschüre**
erstmals verkauft am 23.Brachmond a.U.159 auf der zum 50jährigen Jubiläum der Pflanzung der Bögeholz-Eiche stattgefundenen Sondersippung der Cell-Erika (346) und der Ravensbergia (120)
**Bögeholz-Kalender**
erstmals verkauft am 23.Brachmond a.U.159 auf der zum 50jährigen Jubiläum der Pflanzung der Bögeholz-Eiche stattgefundenen Sondersippung der Cell-Erika (346) und der Ravensbergia (120)
**Bögeholz-Karten**
erstmals verkauft am 23.Brachmond a.U.159 auf der zum 50jährigen Jubiläum der Pflanzung der Bögeholz-Eiche stattgefundenen Sondersippung der Cell-Erika (346) und der Ravensbergia (120)
**Bögeholz – Die verschollenen Gedichte**
Gedichtsammlung, herausgegeben vom Albert-↑ Sixtus-Archiv 2011 im Rahmen einer Ritterarbeit eines damaligen Junkers der Dresa florentis (411), heute Sasse der Gorlitia (427). Das Buch liefert zwar neben vielen neu entdeckten Hinweisen zu Bögeholz’ Biografie 147 bisher unbekannte Gedichte, jedoch wurde das gesamte Werk vom Hüter des Bögeholz-Erbes, dem Reych Cell-Erika (346) bis heute nicht anerkannt. Hier folgen die Aufzeichnungen vom Vater des Ehrenschlaraffen Häschenklein (profan Albert Sixtus) Andreas Sixtus, der über einen Briefwechsel seines Großvaters Gottlieb Sixtus mit dessen Freund Bögeholz berichtet. Leider wird an keiner Stelle Bögeholz’ Vorname Otto genannt. „...Nicht nur mein Vater, auch mein Großvater hatten die Angewohnheit, Tagebuch zu führen. Für einen Gendarm war es notwendig, die täglichen Dienstgänge im Dienstbuch schriftlich festzuhalten. Diese Angewohnheit machte auch ich mir zu Eigen und notierte jeden Abend die Ereignisse des Tages. …Am meisten spitzten wir Kinder die Ohren, wenn Vater von …Verbrechen erzählte, die er aufgeklärt hatte: Brandstiftung, schwerer Einbruchsdiebstahl, Mord... Er verstand es ausgezeichnet, klar und anschaulich zu erzählen. Man erlebte den ganzen Vorgang mit – bis zu dem Augenblick, in dem der Übeltäter überführt war und sich endlich zu einem Geständnis bequemte. Genauso spannend waren auch die Verbrechen, die unser Vater einst von seinem Vater, unserem Großvater Gottlieb, erzählt bekommen hatte. Er berichtete immer wieder von einem Kriminellen, dem sogenannten „Phantom“, der sich über viele Jahre hinweg durch vielfältige Betrügereien ein kleines Vermögen ergaunert hatte. So oft, wie Vater davon erzählte, wahrscheinlich, weil schon Großvater immer und immer wieder die alten Geschichten wiederholte, kannten wir Kinder bald alles auswendig. Das „Phantom“ gab sich bei alten Leuten als entfernter Verwandter aus und täuschte eine Notlage vor. Außerdem beging er Diebstähle und andere Betrügereien. Dabei bediente er sich verschiedener Verkleidungen und Maskierungen. Er begann mit seinen Wanderungen durch Deutschland etwa Mitte der 20er Jahre des 19.Jh. Unser Großvater Gottlieb, damals gerade 10 Jahre alt, erfuhr aus der Zeitung von den neusten Betrügereien des „Phantoms“. Die Zeitung las ihm damals sein Vater vor, der Müller und Bäckermeister Johann Andreas Sixtus (mein Urgroßvater). Ein besonders witziger Fall trug sich im Jahre 1830 im Westfälischen im Königreich Preußen zu, als sich der Verbrecher in Verkleidung eines Landgendarmen der preußischen Gendarmerie eines Fahrrades bemächtigte, dass er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen einem jungen Mann abgeschwatzt hatte. Er sei auf der Jagd nach Verbrechern und benötige deshalb unbedingt ein Fahrrad zur Verfolgung. Der Mann, im besten Glauben an das Gute, gab sein Fahrrad her und sollte es nie wiedersehen. Besonders bitter war die Angelegenheit für den jungen Mann, da es sich um eines der ersten in England gefertigten sogenannten Velocipeds oder Draisinen handelte, mit welchem er am ersten deutschen Draisinen-Rennen in München am 20.4.1829 teilgenommen hatte. Dort belegte er leider nur den undankbaren 4.Platz. Was der junge Mann nicht wusste: Landgendarmen war die Benutzung jeglicher Fortbewegungsmittel untersagt. Sie waren ausschließlich zu Fuß unterwegs, jeweils in einem Amtsbereich von ca. 15 km im Umkreis. Erst am 1.September 1896 gestattete man durch ministerielle Verordnung der sächsischen und preußischen Gendarmerie die Benutzung von Fahrrädern. Begeistert vom Einfallsreichtum und der ausgeklügelten Raffinesse des „Phantoms“ beschloss mein Großvater Gottlieb, Polizist zu werden. Wo er seine Ausbildung erhielt ist nicht überliefert. Danach aber, ab Dezember 1840, war Großvater in Lauter im Erzgebirgischen Kreis des Königreiches Sachsen stationiert. Er war zuständig für die Gegend zwischen Schwarzenberg und Aue mit Lauter im Zentrum (Königlich Sächsisches Gendarmeriekorps, Amt Schwarzenberg der Amtshauptmannschaft Chemnitz). Sachsen hatte damals 5 Kreishauptmannschaften: Bautzen, Dresden, Leipzig, Zwickau und Chemnitz, in Preußen hieß diese Verwaltungseinheit Provinz. Diese 5 Kreishauptmannschaften waren in 27 Amtshauptmannschaften unterteilt. Das Gendarmeriekorps bestand aus 387 Gendarmen. Obergendarmen waren beritten, der Kreisobergendarm war mit einer Pferdekutsche unterwegs. Da das „Phantom“ auch in Sachsen sein Unwesen getrieben und sich Großvater regelrecht in die Jagd nach ihm verbissen hatte, erhielt er vom Ministerium einen Auftrag als Gendarm mit Sonderstatus in enger Zusammenarbeit mit der Gendarmerie Preußen. Er beschäftigte sich mit den Akten der zurückliegenden Fälle des „Phantoms“ und durfte auch die Geschädigten über Landesgrenzen hinweg aufsuchen und erneut befragen. So fiel ihm die außergewöhnliche Begebenheit mit dem Fahrradraub vor 10 Jahren wieder in die Hände, und er machte sich Anfang 1841 auf die Reise mit dem Zug, der damals bereits die Strecke zwischen Zwickau und Bielefeld befuhr. Die letzten 10 km bis Steinhagen ließ sich Großvater Gottlieb mit einem Pferdewagen bringen. Er befragte das Opfer dieses Raubes, den damals 35jährigen Bögeholz, zu den Umständen der Tat. Von Anfang an, so berichtete mein Großvater später, sei man sich sympathisch gewesen. Bögeholz sei ein so interessanter und gebildeter Mann, der ungeheuer viele Leute kannte. Er beeindruckte Großvater sehr, der ja bisher aus Sachsen nicht groß herausgekommen war. Gerade sei Bögeholz aus Paris zurückgekehrt. Mit großem Interesse hätte er die Julirevolution 1830 in Paris verfolgt, deren liberale Auswirkungen bis nach Württemberg spürbar gewesen seien. 10 Jahre danach errichtete man zum Gedenken an diese Revolution die 47m hohe so genannte Julisäule. Dieses Spektakel hätte sich Bögeholz nicht entgehen lassen wollen. In dem Gedränge hätte er interessante Menschen kennengelernt, wie z.B. den deutschen Komponisten Richard Wagner, der dort gerade lebte und an zwei Opern arbeitete. Obwohl ein Gendarm im Dienst unbedingten Alkoholverzicht üben musste, gelang es Bögeholz, bei einer der einmal im Monat stattfindenden Führungen in der Brennerei seines Onkels Heinrich Wilhelm Schlichte in Steinhagen meinen Großvater zu einem kleinen „Steinhäger“ zu überreden, „gegen die gesundheitlichen Gefahren bei großem Frost und zur Feier des Tages, da es seine 10.Führung sei“, wie er sagte. Im April hätte Onkel Heinrich mit dem gewerbsmäßigen Handel des Steinhägers begonnen und ab dieser Zeit seine Firma auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. An diesem Abend, der noch so manchen Steinhäger in den Kehlen verschwinden sah, begann eine Männerfreundschaft zwischen Bögeholz und meinem Großvater. Dazu gesellten sich einige Bekannte von Bögeholz, unter anderem drei Gesellen auf der Walz. Das waren der 18jährige Böttchergeselle Grünewälder aus Bielefeld, der 20jährige Preußger, ein Stellmacher- und Windmühlenbauergeselle aus Markersdorf in Niederschlesien und ein junger Barbier namens Böhnisch aus Böhmen. Dabei war außerdem noch der 19jährige Heidenreych, ein Weinbauer aus dem kleinen Dorf Punkewitz bei Naumburg. Dieser war mit seinem Freund, dem Agrarforscher Alexander von Lengerke auf einer Rundreise durch Westfalen unterwegs. Sie wollten in Soest den Hobbyweinbauer Dr.Gauwerky besuchen, der die alte westfälische Weinbautradition wieder beleben wollte, die es seit dem 30jährigen Krieg praktisch nicht mehr gab. Sie übernachteten wie Großvater im Gasthof und waren auch schon bei der nachmittäglichen Führung anwesend. Diese Führungen, wie Bögeholz später unter dem Einfluss zu vieler Steinhäger bekannte, mache er nicht aus Liebe zu seinem Onkel sondern aus ehrlicher Zuneigung zu einer Frau, die im Kontor der Brennerei beschäftigt war, und die der Onkel nur auf Drängen seines Neffen eingestellt hatte, da sie aus ärmlichen Verhältnissen stammte. Am nächsten Morgen allerdings kam es zu einem heftigen Wortwechsel, da Großvater den Zug verpasst hatte. Grund war wohl der übermäßige Genuss des Wacholdergetränks. Großvater schob seinen schweren Brummschädel auf die Art der Herstellung des Steinhägers in Steinhagen und behauptete, der wahre und ursprüngliche, weil nach chinesischem Rezept hergestellte Wacholderbrannt komme aus Lauter, da dort der Herstellungsprozess etwas anders erfolge und damit das Getränk wesentlich bekömmlicher sei. Vor allem am nächsten Tag seien keine Nachwirkungen zu befürchten. Obwohl mein Großvater Bögeholz und seine Freunde seitdem nie wiedersah, gab es einen umfangreichen Briefwechsel mit Bögeholz, der oft zu einer Schlacht um den besten Wacholderschnaps ausartete. ... Bögeholz schickte vor allem Anfang der 40er Jahre oft von ihm im Überschwang seiner romantischen Jugendgefühle verfasste Gedichte an meinen Großvater und fragte ihn nach seiner Meinung. Er möchte sie niemandem zeigen, da man auf darin vorkommende Personen aus seinem Umfeld schließen könne. Großvater antwortete immer sehr diplomatisch, fand aber die meisten Werke ziemlich schwülstig und kitschig. Trotzdem hob er alle Blätter auf und übergab sie meinem Vater zu treuen Händen. Da die Gedichte aber immer wieder herumgereicht und auch auf so mancher Familienfeier vorgelesen wurden, musste unser Vater sie komplett abschreiben, um die Texte erhalten zu könne. Heute sind sie immer noch in meinem Besitz. Eines der Liebesgedichte, so schrieb Bögeholz in einem Brief, hätte er vor längerer Zeit an einen Freund geschickt, der davon einige Zeilen oder Gedanken in einem eigenen Gedicht verwendet hätte. Es sei sogar vertont worden, und der Mann sei dadurch recht berühmt geworden. Da ihm nur ein sehr kurzes Leben beschert war, ließ Bögeholz die Sache auf sich beruhen. Großvater sagte dann, er wisse seit des Deutsch-Französischen Krieges, um welches Gedicht es sich gehandelt hätte, da es als Lied zur regelrechten Hymne emporgehoben worden war. Mir ist natürlich auch klar, welches Gedicht hier angesprochen wird, aber lassen wir die alten Sachen ruhen. (Anmerkung: Hier ist das Gedicht „Zwiegespräch“ (o.J.) gemeint. Nach Bögeholz entstand 1840 daraus „Die Wacht am Rhein“ von Max Schneckenburger.) Bögeholz berichtete auch einige Male von Grünewälder. Er hatte sich wohl mit ihm angefreundet und ihn bei seinem Onkel für einige Zeit in der Brennerei als Böttcher zur Herstellung der Anker (34l-Fässer zum Transport des Steinhägers) untergebracht. Später allerdings ließ sich Grünewälder von Werbern der Preußischen Armee anheuern und trat in deren Dienste. Die Briefe bewahrte unser Vater noch lange Jahre auf, bis sie Ende April 1891 bei einem Umzug verloren gingen. Der Umzug erfolgte von Dresden nach Hainichen. In Dresden war Vater fünf Jahre als Stadtgendarm der königlichen Polizeidirektion in Pflicht genommen, in der Gendarmeriebrigade Hainichen, Bezirk Döbeln wurde ihm eine Stelle als Landgendarm 2.Gehaltsklasse übertragen. Lediglich ein Zeitungsauschnitt von 1845 blieb erhalten, in dem von der Verhaftung und Verurteilung des so lange gesuchten „Phantoms“ berichtet wurde: „Von vielerlei Seiten angezeigt – er hatte wohl mehr als 6 Dutzend Menschen betrogen – wurde er in Kassel zu 13 ½ Jahren Zuchthaus und 15 Jahren Ehrverlust verurteilt. Ziegler hieß der Lump. Er wohnte in Witzenhausen bei Kassel, beging aber seine Betrügereien in vielen deutschen Landen.“ … Bögeholz‘ jüngerer Bruder Heinrich betrieb in den 50er und 60er Jahren ca. 60 km von Steinhagen entfernt in Langenholzhausen eine Gastwirtschaft, das „Bögeholz’sche Gasthaus“. Das Gasthaus lief so schlecht und recht, hauptsächlich die öfter dort stattfindenden Versteigerungen von Holz und Reisig lockten die Gäste an. Auch dazu blieben mehrere Zeitungsauschnitte aus dem Fürstlich-Lippischen Regierungs- und Anzeigenblatt von 1861 bis 1866 erhalten, welche Bögeholz seinen Briefen beigelegt hatte. Diese Versteigerungen wurden dann immer mit den sogenannten Vergleichsproben verbunden. Die 20 Steinhagener Brennereien, incl. die Großbrennerei von Bögeholz‘ Onkel (die mittlerweile einem Vetter gehörte) lieferten den Wacholder aus Steinhagen. Großvater vermittelte die Lieferung von Machandelbrannt aus Lauter. Da der Bruder von Bögeholz manchmal mit der Zahlung in Rückstand geriet, unterstützte Großvater ihn hin und wieder. Außerdem sandte Großvater jedes Halbjahr eine Lieferung „Lauterer Tropfen“ an Bögeholz. Dabei handelt es sich um einen ungesüßten kräftig grünen Magenbitter, der heute noch gern Kühen ins Futter gegeben wird, die an einer Magenverstimmung leiden. Bögeholz schrieb, dass mehrere Bauern im Umkreis mittlerweile auf das sächsische Wundermittel schwören, welches so manche Kuh vor dem sogenannten Auflaufen bewahrt hätte. Außerdem hätte man so den teuren Viehdoktor gespart. Eine Begebenheit aus dieser Zeit erwähnte Großvater nur ungern. So beschwerte er sich einmal bei Bögeholz, er habe nur einen schlecht bezahlten Gendarmenposten und könne nicht ständig in der Lauterer Brennerei Unmengen Schnaps einkaufen. Darauf schrieb ihm Bögeholz folgende Zeilen: In Geldsachen hört die Freundschaft auf? Da gibt’s eine einzige Antwort drauf: Wenn bei dem Geld die Freundschaft aufhört, dann war die ganze Freundschaft nichts wert! Großvater antwortete: Wer im Mostrich sitzt, hat gut Würstchen essen! Dies bezog sich auf die Erbschaft, die Bögeholz schon im Alter von 16 Jahren gemacht hatte. Dieses Geld ermöglichte ihm ja erst diesen relativ sorglosen Lebensstil ohne feste Arbeitsstelle und Reisen durch Europa. Anfang der 70er Jahre wanderte der Bruder Heinrich (in Amerika nannte er sich Henry) mit seiner Frau nach Amerika aus und betrieb in Washington ein gutgehendes Restaurant. Dem Paar soll der Start in Amerika leicht gefallen sein, da zwei Vettern von Bögeholz bereits in den 1850er Jahren dorthin ausgewandert waren. Zwei Zeitungsanzeigen blieben ebenfalls erhalten. Im Sommer 1866 schrieb Bögeholz an meinen Großvater, dass sein langjähriger Freund Grünewälder wahrscheinlich im Deutschen Krieg gefallen sei, da seine Briefe unbeantwortet blieben. Es schickte in diesem Brief ein Gedicht mit, das bis heute erhalten geblieben ist. Bögeholz hatte es nach einer Anregung von Grünewälder verfasst. In unserer Familienbibel fand ich später diesen Brief und die Gedichtbeilage zusammen mit zwei Zeichnungen mit Bögeholz vor dem Schloss und vor dem Gasthaus. Der kleine Junge in dem Gedicht soll Grünewälders Neffe sein, der im Krieg seinen Vater, Grünewälders Bruder, verloren hatte. In der Folgezeit, sicher auch unter dem Einfluss des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71, erreichten meinen Großvater vereinzelt Gedichte von Bögeholz zu diesem Thema. Im Juli 1876 lud Bögeholz meinen Großvater nach Bayreuth ein. Sein Freund Richard Wagner würde dort seinen Opernzyklus „Der Ring des Niebelungen“ im Rahmen der 1. Bayreuther Festspiele aufführen. Leider bekam Großvater keinen Urlaub. Im August nach dem Ende der Festspiele schrieb Bögeholz, dass sein größtes Erlebnis ein kurzes Gespräch mit Kaiser Wilhelm gewesen sei. Außerdem hätte er einen sehr interessanten Mann, einen Freund von Wagner, Friedrich Nietzsche, kennen gelernt, dessen Ideen ihn sehr bewegt und auch erschüttert hätten. Von dieser Zeit an ging Bögeholz eher kritisch mit Wagners Schaffen um. Einige wenige Gedichte, die Großvater in der Folge bekam, bezogen sich jetzt mehr auf das Schaffen Nietzsches. Über die Jahre 1880 – 1890 schrieb Bögeholz einige Theaterstücke und Schnurren, die allesamt bei Großvater zur Ansicht eintrafen und aus denen uns unser Vater hin und wieder vorlas. Am Mittwoch, dem 29. Mai 1895, erhielt Großvater ein Telegramm, dass sein langjähriger Freund verstorben sei und man ihn drei Tage später beerdigen wolle. An diesem Tag sei ihm zu Ehren eine große „Steinhäger“-Verkostung aller Steinhagener Brennereien geplant. Gottlieb, damals selbst schon 77 Jahre alt, sandte eine größere Lieferung Lauterer „Machandel-Brannt“ zur Trauerfeier seines Freundes. Er selbst war nicht mehr in der Lage, eine längere Reise anzutreten, da ihm Gicht und Rheuma arg zusetzten.
Quelle: Lulupedia Import