wurde der ,.Reichsbürgerstand" (später KnappenstandO wieder eingeführt, und
arn 14. Dezember legte man sich die zweifarbigen Ritterschärpen zu.
Schlaraffia war aber wie gesdlildert wieder drauf und dran-trotz allen "Schaf
fens und Schlaraffens" und aller äußeren
und erworbenen Achtung
auf Irrwege zu geraten. Vor lauter Gefallsucht nach außen. betrieben durch den
schädlichen und gefährlichen Einfluß des leidenschaftlichen Oberschlaraffen
"Banko", wurde vergessen und unterlassen, arn inneren geistigen Aufbau und
Weiteraufstieg Schlaraffias tätig zu sein und im Sinne des Werks der glühen
den Idealisten "Graf Plato", "Graf Gleichen", R. ,.Box" sowie des "Carolus
Magnus Carl 11." weiterzuarbeiten. Wohl versuchte "Graf Gleichen" von
seinem Exil auf "Burg Co." aus. immer wieder das Feuer anzufachen. wohl
Tang der Träger der alten Tradition, der Oberschiaraffe "Höllenstein", das
Steuer wieder herumzudrehen und die Macht Bankos zu brechen, aber nod1
war die Mehrheit der Ritterschaft letzterem
und wie verblendet. Doch
begannen die Wahlen in d,,:n Jahrungen 1868 und 1869 sich vielversprechend
und günstig auszuwirken und eine Wendung zum Besseren zu bringen.
1868 in der XXII. Decade (Okt., Nov., Dez.) Oberschlaraffen "Höllenstein"
"Lehmal1n", "Raps"; Kanzler "Ulrich von Hutton".
1868 in der Decade (Okt., Nov., Dez.) Oberschlaraffen "Höllenstein n, "Leh
mann", "Raps"; Kanzler "Ulrich von Hutton".
1869: in der XXllL Decade (Jan., Febl'., März, April) Obersmlaraffcn wie vor,
Kanzler wie vor.
1S 69; in der XXIV. Decade (Okt., Nov., Dez.) Oberschlaraffen wie vor,
Kanzler wie vor.
Der eigenwillige, sich allmächtig dünkende "Banko", der durch seinen ver
derblichen Einfluß Schlaraffia, ohne es zu wollen, in die Irre und smfer an den
Rand des Abgrundes geführt hatte, war
worden. "Graf Höllenstein",
zum Führer erkürt, unterstützt von seinen Getreuen, verstand es, rasch wieder
die alte Ordnung herzustellen. die Mitglieder zu den Idealen Schlaraffia;
zurückzuführen und so den Weg zu den geistigen und ethischen Zielen wieder
freizumachen. Und an seiner Seite" L eh man n " und" Rap s " (der später,
die Geschicke AIlschlaraffias lenkende, der überragende "Raps der Große)!
Neben diesen ist zu nennen der gleich als Kanzler fungierende, wie ein Komet
am schlaraffischen Himmel erschienene "U 1r ich von Hut t e n". Er war
es, der sogleich in seiner ersten AmtBzeit eine schlaraffische Großtat voll
brachte, indem er alles, was an früherem, noch gültigem Ceremonial, Gedan
kengut und Brauchtum vorhanden, zusammentrug und zum
1. Ceremoniell von 1868
vereinigte und seiner Schlaraffia zum Geschenk machte (siehe Seite 13 8).
Es ist dort unverändert, obwohl einige kleine Unstimmigkeiten darin ent
halten, wiedergegeben. Ein Glück, daß das Werk "Huttens" mit anderen Tei
len des Praga-Archivs gerettet werden konnte und so auf uns überkommen ist!)
Vorwort; An ihrem CeremoniaL das ganz allmählich entstanden ist, arbeiteten
die Urschlaraffen in den Aufbauj ahren ständig, und zwar wie an einem kost
baren Mosaik; ein Beweis dafür, daß
selbst wenn manches an das Brauch
-
113
Chronik
8
turn von Ritterbünden anklingt - ihr Werk doch etwas ganz Selbständiges und
Eigenwilliges bedeutet, zu dem glückliche Gedanken und mancherlei Zufälle
ein Erhebliches mit beitrugen. Es wurde geformt und umgeformt, manches
herausgenommen und Neues, Schöneres eingefügt
bis man dann mit dem
Ganzen zufrieden war.
Auf die Wahl zurückkommend: "Banko" war also gestürzt. Aber das Reio1
machte sich dafür den Jux (0, einen völlig ungeeigneten, noch neuen Ritter
mit Namen "Zriny" als Oberschlaraffen zu wählen, dessen Tage aber bald
gezählt waren. Es entstand unter Führung "Höllensteins" eine Verschwörung,
die offen ausbrach und "Zriny" vom Thron herunterholte.
Ein Schlaraffenpoet ("Höllenstein") hat dieses Ereignis später in Versen
wiedergegeben und seinem Freunde "Gleichen" gewidmet. Das Poem ist für
die Beurteilung des damaligen Zustandes in Schlaraffia von größter Bedeutung,
"Einfad1 erzäl1len will ich, was sidt zugetragen,
als nodt das Reidt 50 fest nicht stand wie l1eut';
mit besserm ReilH tHag sidt ein And'rer plagen,
idt gebe il111, wie il1n der Zttfall betJt,
"Es war einmal", so l1eißt ift jedem A1äl1rleir1
der Al1fal1g, so beginn' aud1 ich;
ist es SO/011 vor tHanchcm Jä/lrleil1;
C/:rotlih weiß, il1 welchem, t1icl1t besil1l1' ich fHid1.
Da war das Reich gar liederlich verdorbeH.
gel1i1l; ftidtt ftahl1J HJaI1'S mit der Amter Wald;
der Emst, die WUrde waren ausgestorbeH,
Allotrias begaHHeH olme Za/ll,
Obersc11lal'affen warel1 g'rad ztj wältlel1,
doch ol111e Ernst begatm der wUrd'ge Aht,
uHd VOft der Wa111 will idl EI1dl jetzt erzäl1len,
wohiH es fil/lrt, weH1/s leider fel1lt aH
Tal~t.
War da eiH guter, biederer Geselle,
seiH Name "ZriHY", fit dem Reich Hod1 Heu.
eiH kOH1'scher Kauz mit Scl1wefell1olzgestelle.
delt wählt' at1S Jux die Masse Ol1HC Schell.
UmsoHst, daß HtaH sidl sträubt' HHd wehrte
filii Überredlmg Imd der BitteH Kraft,
wetm maH mit solcl1er Warde ehlel1 ellrte,
dem dazu feillte jede EigeHschaft.
UH1S011Stf UmsoHst! Er wurd' zum Haupt Cl'!Wl'ell,
wir AHderH bliebel1 iH der lvlil1derlleit,
Darauf IHm 11aben l1eitdid1 wfr gesdnvoreH,
zu rächelt solche Schmadl ilt nädlster Zeit.
Del1 Tl1ro11 besteigt er olme ZageH,
dodt sdlon befm ze!mteH Worte, das er spradl,
se/lu wir der Zulumft sd11il1JH1stc Tage
,/Hd beltcn UllserH Eidsdtwur wach.
DeHt1 wie das Haupt, so audt die Glieder,
ist's obeH sdtliflHtI, fst's Imtel1 audt Hicht gut,
die Wogel1 gillgeH m;f uHd Hieder,
und nAuarchie
u erl1ebt il1r Haupt 111ft lv1utl1.
So komlte läHger es Hicht gel1eH,
WeHr1 tlicht das Reidt zerfall eH sollt';
114
das Rett'fI1gswerk, es mußt' gesmetten,
er 11at es al1ders nidlt gewollt,
Man drtmg IH "Zr/ny" abztj(lanl~eH,
dom OhH' Erfolg, er sagte: "Nein!"
Sd10H war das Reim /H starhem Sdnvanl,en,
dom Zrinys Herz, es blieb von SteiH.
Da galt es, rasm ,md ha!m zu lu:mdell1,
Eil1 Häufleifl Guter war bereit.
Alttleid H1Ußt' sim in Zom verwaHdell1,
zur Hilfe war' s die hömste Zeit, -
Es wal' Iln eiHem Sippul1gsabefld,
uHi1ei~fllidl smweigsam war's iJ,fj Sllal,
der Quell Will' smlcd,t tmd wellig labeHd,
die Lidlter brcnmteH IHatt tmd fatll,
als zwölf der Ritter auf eiH ZeimeH
sich plätzltm hebeH VOll dem Sitze!
"Zriny" atH Thron safl maH erbleidlen.
Es gläHzte bla111, der Doldu Spitze,
als "HölleHsteil1" erhob die Stimme
!md spram die Worte: "Hast die W altl;
eHtweder weid1st Du HHserm GrhHme,
wem, l1idlt, so trifft Didl tmser Staltll"
Da, eiHen AugeHblid~ voll Sd1Yed~el1,
die Ritter waren wie gebamlt,
der Ton bleibt Italb iH1 Hals ilt/l1 steckel1,
heudlt "Zril1Y": "Nimmer weim' im Eurer Hal1d!"
Kaum ist dlls Wort zu EHd' gespromen,
so boltreH sim zwölf Dolme ein
i~1 "ZriHYs" Herz! Wir s171d gerod1en
Ufld "Ul1US Stuhl" ist wieder reil1!
Als Oberer ward er zu Sdllll1deH,
als Ritter ist er drauf erstIlHdeI1,"
Ansonsten ist mangels Aufzeichnungen und Protokolle der innere Ablauf
der Jahrung 1868 in ziemliches Dunkel gehüllt. Das "Reich" scheint immer
noch von Unruhe und Dissonanzen erfüllt und die Spaltung hie "Banko"
hie "Höllenstein" (nadl Drasal) noch nicht behoben gewesen zu sein. "Urkund
lidl nachgewiesen ist nur der am 8. des Hornung vollführte Narrenabend und
ein Sendbote des R. "Banko" vom 15. des Lenzmonds, in welchem derselbe
seinen Austritt anzuzeigen für gllt beHndet, sowie eine Anzahl Sendboten
gleichen Inhalts. Es scheint demnach fast, als ob sich eine innerliche Revolution
vollzogen habe und daß bei dieser Umwälzung wichtige Dokumente verloren
gegangen sind. Bestärkt wird diese Vermuthung durch die Charakteristik,
welche ein Zeitgenosse ... über R. "Banko" entworfen. Auch über den Ver
lauf der Sommerung fehlen Nachrichten, und einige Klärung bringt erst das
Protokoll vom 3. des Lethemonds, an welchem die Sippungen wieder auf·
genommen wurden." Allerdings ist Drasal mit seinem anschließenden Beridu
der Zeit um ein Jahr vorausgeeilt:
,,Inzwischen war die Zeit gekommen, wo Schlaraffia vor 10 Jahren das
Licht der Welt
[… Fortsetzung im Originalband]