139 Castrum Majense
Wichtiges, Freudiges und auch Betrübliches hat sich in den letzten 25 Jahren ereignet und ist im
Strom der Zeit heiter und ernst im klaren Wasser dahingeflossen. So konnten und durften wir diese
25 Jahre in der innigen Dreifaltigkeit von Kunst, Humor und Freundschaft erleben und gestalten.
Die eigene Burg war seit ihrem Entstehen ein beliebter Anziehungspunkt für Freunde aus fernen
Gauen, wie z.B. dem Ritt vom Inn zur Etsch (Scardinga), den Einritt der „4er Bande” (Stutgardia)
oder den Storchenreitern. Mit dem Beginn von Ausritten, an denen alle fünf Tiroler Reyche teilnah-
men, konnte der Grundstock für ein starkes Zusammenwachsen und innige Freundschaft unter
diesen Reychen gelegt, vertieft und gefestigt werden. Kuriosität dabei war die Sippung des Castrum
Majense im profanen Poggibonsi anlässlich des Ausrittes in die Toskana. Beredtes Beispiel des
starken Zusammenhaltes in Tirol ist die hohe Anzahl von gegenseitigen Besuchen bei Sippungen
und die gewachsene Freundschaft unter vielen Sassen dieser Reyche. Trefflicher Anlass für Einrit-
te in unser Reych sind Themensippungen wie „Törgglen”, „Jager und Fischer”, „Sepplsippung”,
„beleidigte Leberwürst und Blunzen” und neuerdings die „Kuttel-Muttel-Sippung” mit ihrem wahr-
lich gelebten Chaos. Leider mussten die beliebten OsterKrystallinen auf der Hochmut auf 1.400 m
Höhe nach fast drei Jahrzehnten aufgegeben werden. Ein Fixstern im Ablauf jeder Winterung ist und
bleibt die Sippung der Cohorte des Castrum Majense, bei dem die vielen treuen Freunde aus dem
Uhuversum in die Majaburg strömen. Großartige Sippungen wurden als rauschende Feste gefeiert:
Die legendäre Reychsfehde zwischen den Reychen Am Werdenfels und Oenipontana (a.U. 126), die
Helvetische Freundschaftssippung in den Gewölben der Algunder Kellerei (a.U. 129), die gar lethe-
frohe 2.000 Sippung (a.U. 131) und die freudige, bunte und berühmte Einjahrhundert-Feier am 10.4.
a.U. 140 im stilvollen Jugendstil-Rahmen des Meraner Kurhauses, umkränzt von den blühenden
Äpfelgärten des Burggrafenamtes. An die 800 Personen, Sassen und Troß aus aller Herren Länder,
vor allem aber aus dem von uns so verehrten Helveticum, erlebten ein rauschendes Fest mit einer
Folge von unübertrefflichen, bestens abgestimmten Fechsungen. Das Sahnehäubchen war zwei-
fellos der Auftritt der Ritter des Castrum Majense, jeder mit einem Strauß roter Rosen, die an die
liebreizenden Damen unter dem Klang „schenkt man sich Rosen in Tirol” verteilt wurden. Auch das
Gastspiel des Allschlaraffischen Symphonie Orchesters a.U. 143 begeisterte die Sassen des Cast-
rum wie auch jene der lieben Schwester Pons Drusi, das in einer romantischen Krystalline ausklang.
Höchste Ehre widerfuhr dem Castrum Majense durch die Organisation der 105. Versammlung des
ASR und dem Einritt aller 14 Räte in beide Südtiroler Reyche. Möglich war dies, weil der Helvetische
LV unseren Rt Fuchtl als ersten Südtiroler Sassen zum Vertreter in den ASR gewählt hatte, was die
hohe Wertschätzung des LV für die beiden Reyche im profanen Italien bestens dokumentiert. Leider
sind auch betrübliche Tatsachen festzuhalten, wie der Verlust beliebter und wohlbekannter Sassen:
A.U. 133 trat Rt Jazz-an-bandler, Letzter des Vorkriegs Castrum Majense, Großkristallträger (5a),
unübertroffener Oberschlaraffe, begnadeter Maler und humorvoller Freund den Ritt gen Ahalla an.
Ihm folgten Sassen wie der Rt Rundum, Fechser der wunderbaren Ritterwappen, der „eiserne” ErbK
Rt Toll-er-rannt, ErbO Rt History-Kuss, unser „Majaburg-Finder” Rt Glacè, das Tiroler Urgestein Rt
Schipp-Schipp und mancher andere Freund, deren wir anlässlich der Ahalla-Feier jährlich in freu-
diger Erinnerung gedenken. Rt Jazz wurde a.U. 148 zum Ehrenschlaraffen „Jazz el Pintòr Santo”
des Castrum Majense ernannt. Der jüngste Aufschwung unserer Junkertafel und die neu gestaltete
Vorburg geben uns Anlass zu Freude und Zuversicht. Der Schlaraffische Geist ist, Uhu sei Dank,
noch lange nicht überholt.
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
144 Augusta Trevirorum
Gerade bei kleinen Reychen wie der Augusta Trevirorum machen sich Veränderungen immer sehr
stark bemerkbar. Und so hat auch unser Reych in den vergangenen 25 Jahrungen mehrere Höhen
und Tiefen durchlebt. Aus dieser Zeit gehören nur noch drei Sassen dem Reych an, die übrigen sind
in anderen Reychen sesshaft geworden bzw. aus Allschlaraffia ausgetreten oder haben ihren Platz
an der ewigen Rittertafel eingenommen.
Dadurch war die Sassenschaft teilweise beängstigend gesunken. Verstärkt durch die Bresthaftigkeit
einiger Sassen lag die maximale „Sippungsstärke” der Augusta Trevirorum teilweise nur bei ca. 10-
12 Sassen; über mögliche Konsequenzen wie z.B. einem zweiwöchigen Sippungsrhythmus wurde
nachgedacht. Doch das Häuflein der wenigen Augustaner zeigte einen starken Durchhaltewillen
und eine rege Präsenz in den Sippungen.
Dazu kamen viele eingerittene Freunde, die der Augusta in dieser Zeit die Treue hielten und uns re-
gelmäßig besuchten. Gerade durch den kleinen Kreis der Sassen und Eingerittenen entstand in den
Sippungen eine fast familiäre Atmosphäre, die sich im Übrigen bis heute weitgehend erhalten hat.
Die Zahl der Ehren- und Petrusritter wuchs in dieser Zeit kontinuierlich. A.U. 148 wurde der Konvent
der Petrusritter gegründet, dem 25, der Augusta verbundene, Sassen anderer Reyche angehören.
Festsippungen mit Burgfrauen wie die Wochenendreytersippung mit dem Turney um den Most-
Quetsch-Humpen bzw. um die Consulswürde zum Winterungsbeginn und die Sippung „Musik ist
Trumpf” zum Winterungsende füllten und füllen immer noch unsere Burg; nicht selten mussten wir
in eine Festburg ausweichen.
Doch die Hilfe der Freunde blieb nicht allein auf die Anwesenheit bei den Sippungen beschränkt.
In den Jahren a.U. 140-143 wurden allein acht Prüflinge weiß gekugelt, eine für ein so kleines Reych
stolze Zahl. Bemerkenswert ist, dass nur einer davon durch einen Sassen unseres Reyches einge-
führt wurde. Die übrigen stießen überwiegend durch die Vermittlung auswärtiger Sassen zu unse-
rem Reych, entweder von profanen Verwandten oder früheren Berufskollegen oder Bekannten.
A.U. 141 feierte die wieder erstarkte Augusta Trevirorum ihr 100. Stiftungsfest. An diesem Fest nah-
men ca. 300 Gäste aus dem gesamten Uhuversum teil. Vor allem die neu formierte Junkertafel trug
mit ihrer Spielszene über die Reychsgründung sehr zum Gelingen dieser Festsippung bei.
Ein weiterer positiver Aspekt in unserer Außendarstellung ist unsere repräsentative Burg. Seit nun-
mehr 17 Jahrungen haben wir unser Domizil in der Moselburg der SMW Sektkellerei in Trier; über
weitere acht Jahre läuft der derzeitige Mietvertrag.
Heute zählt das Reych 25 Sassen, die fast alle regelmäßig aktiv an den Sippungen teilnehmen. Dies
darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Nachwuchswerbung zu den vordringlichsten Auf-
gaben gehört, um den Bestand unseres Reyches auch weiterhin zu sichern.
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