Die Gesamtentwicklung war in Schlaraffia Amerika seit a. u. 39/40 eine
ständig fortschreitende gewesen. Mit Bezug auf die einzelnen Reyche kann
man das nicht behaupten, und man darf annehmen, daß die Sassenschaft
hauptsächlich durch die immer schwankende Einwanderung beeinflußt ist
oder war.
Wo immer Reyche sich gut entwickelt haben, so ist das neben der Güte der
Leitung vielfach wesentlich auf den festen Zusammenhalt durch "Unterabtei
lungen" wie Skat- und Kegelklubs, denen in der Regel die besten Sassen
angehören, zurückzuführen. Daß in den so isolierten Reychen Amerikas die
Mitglieder auch außerhalb des Sippungstages öfters zusammenkommen, ist
ohne Zweifel für die Reyche außerordentlich wertvoll.
Es bleibe nicht unerwähnt, daß wiederholt Einzel-Bestrebungen laut wurden,
die englische Sprache in Schlaraffia Amerika einzuführen, weil diese dadurch
viel größer werden könnte? In Detroit haben abtrünnige Sassen dann tatsäch
lidl gegründet und eine oder zwei "englische Sippungen in Rüstung und mit
entsprechender Ausstattung" abgehalten, aber dann starb das Kind wegen
Mangel an Gemüt und Gemütlichkeit. Das Herz gehört dazu!
In Los Angeles, Californien, besteht heute noch eine, Schlaraffia nachge
bildete, Gesellschaft "Bohemia", die von früheren Schlaraffen gegründet, in
englischer Sprache "sippt". Dieser Verein ist eine rein lokale Angelegenheit
schon seit der 1930er Jahre.
In dieser Zeit veränderten sich auch die Lebensumstände in Amerika. So
sagt der "Uhrhall" (die amerikanische Schlaraffenzeyttung) in seiner Hornung
Nummer a. u. 74 (1933): "Der Erwerbskampf wird immer schlimmer in diesen
schlechten Zeiten und die Frage der Existenz rückt ständig mehr in den Vorder
grund. Drum müssen wir es in diesen Tagen doppelt anerkennen, daß uns
Schlaraffia wöchentlich für
glückliche Stunden dem Hetzen und Drängen
dieser Zeit entreißt."
Und dann heißt es in der Heumond-Nr. a. u. 74: ,,5 c h wer e Wo 1k e n
stehen am schlaraffischen Himmel." Die Tradition von 75
Jahrungen ist durch einen Federstrich zerbröckelt. Die Reyche Deutschlands
mußten den ersten Spiegelparagraphen ändern und sich schweren Herzens von
der Allmutter trennen. In der am 23. Ostermollds zu
stattgehabten Ver
sammlung deutscher Reyche, bei der von 131 Reychen 116 vertreten waren,
wurde die Loslösung von
beschlossen und zwecks "Gleichschaltung" der
Arier-Paragraph eingeführt. Die aus den deutschen Reychen ausgeschiedenen
Nicht-Arier sollen in der Allschlaraffischen Stammrolle Platz finden. Ein außer
ordentliches allschlaraffisches COllcil soll am 2. Willdmonds in Marienbad
stattfinden.
Die österreichischen Alpenreyche haben auf einer Konferenz in
beantragt, daß nicht nur der Arier-Paragraph eingeführt wird. sondern daß
auch Freimaurer und l'Yiitglieder von Geheimbünden als Schlaraffen nicht ge
wünscht werden. -- Und immer weiter rollt der Ball!
Aus den amerikaniEchen Reychen laut'gewordene Meinungen ergeben die
unumstößliche Tatsache, daß wir alle nach wie vor treu und fest zu unserer
geliebten Allmutter Praga stehen werden und mit dem Arier-Paragraphen
nichts zu tun haben wollen. Hand in Hand damit geht unser Herzenswunsch,
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mit den Brüdern in Deutschland, die zu ihrer Maßnahme gezwungen wurden,
auch fernerhin die innige Freundschaft zu pflegen, wie sie stets üblich war.
Durch die momentanen Verhältnisse sind die amerikanischen Reyche ein
Faktor geworden, dessen volle Unterstützung die h. Allmutter nicht entbehren
kann. Vorläufig heißt es nun "in Ruhe abwartenJ"
Für den S. Erntemonds wurde eine amerikanische Konferenz in der h.
Chicagoana anberaumt, die erste nach den Kriegsjahren des ersten Weltkrieges.
Hatte es sich damals hauptsächlich um große Hilfsaktionen für die Brüder in
der alten Heimat gehandelt, so sind es heute Sturmgewalten, die den herrlichen
Bau Allschlaraffias ins Schwanken gebracht haben. Auch diesmal wird Amerika
alles tun, was in seinen Kräften steht!
Der "Uhuhall" des Windmonds a. u. 74 bringt dann die ersdlütternde Nach~
richt vom plötzlichen Ahalla~Ritte Se. Eb~Hkt. Devasts des Großen, des über~
ragenden Führers Allschlaraffias. "In schweren Sturmtagen fällt für
All~
schlaraffia der niederschmetternde Schlag. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel
trifft die Uhubrüder des Uhuversums die überaus schmerzliche Hiobspost." Die
Trauer in den amerikanischen Revchen war eine allgemeine. Da man den Toten
nicht mit Kränzen ehren konnte, flossen dafür dem "Freundschaftsfonds" , den
Devast gegründet hatte, reichliche Spenden zu.
Die Verehrung für den Fürsten Devast gipfelte in den Worten: "Der Name
Devast wird über den Tod hinaus und für alle Zeiten unlösbar mit dem Begriffe
"Schlaraffia" verbunden bleiben. Und wenn wir Schlaraffen Devast einen
Denkstein setzen wollen, dann sei es, des Namens würdig, ein Grabmal von
gewaltigell Ausmaßen, von eindrucksvoller Sachlichkeit; und ein einziges Wort
in wuchtiger Schrift kennzeichne die geweihte Stätte, das Wort "DEVAST"!
Zu gleicher Zeit ergeht ein Aufruf der "h. Filadelfia" an die amerikanischen
Reyche, sich zu einer amerikanischen Einheit zu verbinden, um die Zukunft
Schlaraffia Amerikas zu sichern. Doch kann man sich zu diesem Schritte noch
nicht entschließen.
Im Eismond a. u. 75 (1934) waren die "Allschlaraffischen Hilfskassen" und
die zukünftige Berappung der Beiträge für dieselben, sowie die Gründung
amerikanischer Hilfsaktionen Gegenstände größerer Verhandlungen und De
batten. Am 25. 2. a. u. 75 beschlossen in der "Nova Yorkia" die "amerikani~
schen Reyche des Ostens", für die laufende Jahrung alle und für die folgenden
die Hälfte der Beiträge zurückzubehalten und reychsweise Hilfskassen einzu~
richten
und -
zum andern den reichsdeutschen Reychen die schlaraffische
Freundschaft zu bewahren.
Im Wonnemond richtete der Führer Allschlaraffias, Eb~Hkt. Hyp, einen
Sendboten an die amerikanischen Reyche, in welchem er diesen den herz
lichsten Dank und die aufrichtige Freude für ihre treue Gefolgschaft zum Aus
druck bringt und in bewegten Worten sagt: "daß über allem Zeit~ und Partei
geist, über allem profanen Zank und Hader hinweg der schlaraffische Gedanke
seine überragende Tragfähigkeit 'bewahrt und auch weiter bestehen bleiben
wird, wenn wir in Ruhe und Besonnenheit durchhalten ...."
In einem Artikel a. u. 76, betitelt "Schlaraffia und die Öffentlichkeit", wird
betont, "daß hier in Amerika eine gewisse vornehme Propaganda für Schla~
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raffia (die drüben nicht nötig sei) angebracht wäre, um die dünngesäten Kan
didaten, die für uns in Betracht kommen, auf uns aufmerksam zu machen ..."
Im Ostermond gab Eb-Hkt. Tilly bekannt, "daß sich das all schlaraffische
Feldlager ,Portus Betsiae' in den ,Bund Deutscher Schlaraffen' hat aufnehmen
lassen. Die Anmeldung dorthin erfolgte am 27. 2. Niemand hatte bis vor
kurzem etwas davon geahnt und die Enttäuschung darüber sei eine sehr große".
Es wurden schlimme Konsequenzen und vielleicht auch Zersplitterungen be
fürchtet. Die ost-amerikanischen Reyche beschlossen, den Mitgliedern der
"Portus Betsiae" (Elizabeth) in einem freundschaftlichen und aufklärenden
Sendboten die Tragweite ihres Vorgehens klarzulegen. Allen amerikanischen
Reychen wurde der Rat erteilt, vorläufig nicht mehr in die "Portus Betsiae"
einzureiten. Die "Allmutter" stellte sich auf den Standpunkt der amerika
nischen Reyche. Die seitens des Bundes "Deutsche Schlaraffia" vorgenommene
Eingliederung war eine ungute, unkluge und nicht zu verstehende Handlung
und bedeutete eine schwere Entgleisung gegenüber Schlaraffia Amerika.
Die "Portus Betsiae" wurde dann auf dem Coneil zu Posonium auf ihren
Wunsch und auf Antrag des amerikanischen Legaten Eb-Hkt. Tex in den Ver
band "Allschlaraffia" aufgenommen.
Als Folge der politischen Entwicklung beklagte man, daß die Einwanderung
aus deutschen Sprachgebieten Europas fast vollständig zum Stillstand gekom
men und eine Besserung in absehbarer Zeit auch nicht zu erwarten sei.
Ein Beschluß a. tl. 77 legt fest, daß der "Uhuhall" für die amerikanischen
Reyche lebensnotwendig und nicht Ers
[… Fortsetzung im Originalband]