Bald nachdem die "Lipsia" (1572) gegründet war, hatte man dort auch eine
eigene Meinung hinsichtlich des Namens Schlaraffia. Man fühlte sich anschei
nend wohler als "Eulalia" -Ritter und sang begeistert das "EulaIia" -Lied. Das
Ankämpfen gegen den Namen "Schlaraffia" hielt an, so daß man bei einer
Vorbesprechung für das 1II. (Münchener) ConeH am 28./29. 1. 1588 eine allge
meine Beratung über eine etwaige Änderung des Namens "Schlaraffia" anbe
raumte. Es wurde u. a. vorgeschlagen: "Artushof", welcher Antrag aber keine
allgemeine Zustimmung fand, ebensowenig eine mit dem griechischen "glaux"
zusammenhängende Wortbildung (glaux zu deutsch "Eule"; "Pallas Athene"
hatte den griechischen Beinamen "Glaukopis" 1). "1an kam zu keiner Einigung,
und so blieb erfreulicherweise alles beim alten.
In der Jahrung 1584/8;; waren es bereits 46 Reyche mit zusammen 1 720
Sassen; Praga hatte 96 Mitglieder. Die Condle zur Beratung wichtiger, All
schlaraffia berührender Fragen und zur Fassung von Beschlüssen, Spiegel
änderungen usw. wurden in der Regel von fünf zu fünf Jahren abgehalten; die
Legaten sämtlicher Reyche hatten Sitz und Stimme. Über die Concilsbeschlüsse
gibt die Chronica erschöpfende Auskunft.
Die weiteren Coneile fanden statt:
im Jahre 158 3 das
im Jahre 1588 das
im Jahre 1593 das
a. u. 39 (1898) das
a. u. 44 (1903) das
a. u. 50 (1909) das
Ir. Coneil zu Praga
Vorsitz Raps d.
Praga
III. COlleil zu Monachia
Vorsitz Raps d. Gr., Praga
IV. Condl zu Dresdensia
Vorsitz Barbarossa, Praga
V. Coneil zu Vindobona
Vorsitz Barbarossa, Praga
VI. Conell zu Berolina
Vorsitz Tra!H, Praga
VII. Condl zu Villdobona
Vorsitz Tra1H, Praga
a. u. 55 (1914) das VIII. Cond zu Turieensis
a. u. 61 (1920) das
a. u. 65 (1924) das
a. u. 70 (1929) das
a. u. 74 (1934) das
Vorsitz Devast,
IX. Coneil zu CaroE Thel'mae
Vorsitz Devast,
X. Coneil zu Haidelberga
Vorsitz Devast, Praga
XI. COlleil zu luvavia
Vorsitz Devast, Praga
XII.·Condl zu Maria Aquensis
Vorsitz Devast,
a. u. 79 (1938) das XIII. Condl zu Posonium
Vorsitz Hyp, Praga
-
283
Der schlaraffische Gedanke, nachdem er in Österreich-Ungarn und in
Deutschland gezündet hatte, wurde wie eine helle Flamme landauf-landab
durch die Lande getragen, gegen Osten und Westen, Süden und Norden.
Überall in größeren Städten oder solchen Orten, die als Kulturzentren ange
sprochen werden konnten, entstanden Neugründungen.
Aber auch über die Grenzen der eng verbündeten Länder zog Uhu und ließ
sich 1579 zuerst in Holland nieder ("Amstelodamia" und später "Rotter
damia"), dann 1580 im Zarenreich ("Revalia" und später "Tarbatum"), im
gleichen Jahre in der Schweiz (H Turicensis" und "Basilea"), denen die "Berna"
(1584) und die "Gallia Helvetica"
Ca. u. 45) folgten; und er wagte 15'84
sogar den Flug über die Meere und Ozeane gen "Franciscana Califomia"
am "Goldenen Tor".
Mutter der letzteren war die rührige "Berolina", die auch 15' 8 8 in Ägypten
die Colonie "Alexandria" und ein Jahr später in Australien die Colonie
"Aucklandia" gründete. Ansonsten seien noch in Amerika genannt: die "Nova
Yorkia" (1585), die "Chicagoana" (1588), die "Brooklynia" (a. u. 35),
"FiladeHia" (a. u. 36) und "Washingtonia" (a. u. 55).
Im lahre 1585 erschien in England die Colonia "londinia", die zwei Jahre
einging und a. u. 37 durch das Reich "Londinium" ("Berolina") ersetzt
wurde. In Belgien entstand 1592 die "Antwerpia", die sich noch einige Jahre
über den 1. Weltkrieg hinaus behaupten konl1te. Zu Anfang des Jahres 1914
Ca. u. 55) gründete die "Franciscana California" in China das Reich
"Shanghai-Tse".
Vom 1. Concil1576 bis 1914 Ca. u. 55) haben noch weitere sieben Condle
(siehe oben) stattgefunden. Jeweils waren Verbesserungen im 'Spiegel und
Ceremoniale die Hauptverhandlungsgegenstände. Besonders herauszuheben ist
das glanzvolle Cond!, das a. u. ,0 (1909) in Wien abgehalten und mit der
Feier des 50jährigen Bestehens der Schlaraffia "Praga" verbunden war.
Ursprünglich war selbstverständlich gedacht, dasselbe in Prag abzuhalten.
aber die politischen Verhältnisse hatten sich derart verschlimmert, daß schwere
Ausschreitungen tschechischer Fanatiker zu befürchten waren, wenn die Praga
ihre mit dem ConcH verbundene Halbjahrhundertfeier daheim festlich be
gangen hätte. War "A 11 s chi ara f f i a" doch dadurch schwer ver
dächtigt, daß sie offen kundtat, "die Sprache in Schlaraffia ist deutsch /" So
sah sich "Praga" genötigt, die herzlidle Gastfreundsdlaft der "Vindobona"
in Anspruch zu nehmen und alle Beratungen, Feste und Feierlichkeiten dort
vor sich gehen zu lassen. wobei sich die "Vindobona" in ihrer Hilfe und
Mitgestaltung schier überboten hat. Dieses Conci! brachte übrigens die
" C h r 0 nie a Alls chi ara f f i a e" von Drasal.
"Als der 1. Weltkri.eg am 2. August 1914 aufloderte, hatte die "All
schlaraffische Stammrolle", die alle Niederlassungen des Uhubundes nebst
den schlaraffischen und profanen Namen aller Sassen enthält, 197 Reyche
und Colonien zu verzeichnen, von denen 175 sich in voller Aktivität
befanden. Untereinander standen diese schlaraffischen Vereine in einem
ständigen Gedankenaustausch. Erstklassige Künstler waren Mitglieder, die
284
während der Sippungen ihr bestes boten. Akademiker, Offiziere, Beamte,
Kaufleute und Angehörige der freien Berufe etc., suchten allwöchentlich
in den Sippungen Erholung von des Alltags Mühen und Lasten; Witz
und Geist herrschten bei diesen Zusammenkünften vor, die meist durch den
Besuch von Schlaraffen auswärtiger Reyche und Colonien eine besondere
Prägung erhielten. Überall wurden alljährlich Feiern zu Ehren der Heroen
der Kunst und Wissenschaft abgehalten, die durch musikalische Vorträge und
"Fechsungen" von der Rostra verschönert wurden.
Was die Allschlaraffia vor anderen kulturellen Vereinigungen auszeichnete,
war ihr wunderbarer, einzigartiger Liederschatz. Könner von hohen Graden
haben die Texte zu den schlaraffischen LIedern gedichtet und schlaraffische
Künstler lieferten die Kompositionen dazu. -
Zu Anfang August 1914 war der allschlaraffische Verband auf einem Höhe
punkt angelangt. Viele Sassen der deutsCJ.1.en und österreichisch-ungarischen
Reyche und Colonien mußten aber nun im 1. Weltkrieg ihrer vaterländischen
Pflicht Genüge leisten -
und -
als tragisch ist es zu bezeichnen, daß nach
dem Eintreten Nordamerikas in den Weltkrieg im Frühjahr 1917 dortige
Schlaraffen genötigt waren, zu den Waffen gegen Deutschland und Österreich
und damit deren Schlaraffen zu greifen.
Daß die Sippungen der Reyche daheim unter den KriegsersCJ.1.einungen mehr
oder weniger litten, ist wohl selbstverständlich, und angesichts des Ernstes der
Zeit und des Heldentodes lieber Freunde konnte es zu keiner Fröhlichkeit,
zu keinem Humor mehr kommen. Vielfach beschränkte man sich auf kristal
linisches Zusammensein und auf dem Gebiet der Wohltätigkeit. Und eine
ständige stille Freude herrschte über die von den im Felde stehenden Sassen
eintreffenden Briefe und Botschaften.
Über "schlaraffische Kriegsgründungen und den Zusammenhalt der Schla
raffen draußen" an anderer Stelle!
Waren während des Völkerringens trotzdem noch drei deutsche Reyche
und zwei in der Donaumonarchie entstanden, so nahmen bald nach dem für
Deutschland und seine Verbündeten so unglücklichen Verlauf des ersten Welt
brandes die schlaraffischen Arbeiten fast überall ihren unveränderten Fort
gang, und allmählich zog in die schlaraffischen Sippungen die alte, richtige
Stimmung wieder ein. Freilich mußten angesichts der deutschfeindlichen Strö
mungen in verschiedenen Ländern gar manche liebe Reyche die Pforten ihrer
Burgen schließen, wie die "Amstelodamia", die "Antwerpia", "Londinium",
die "Strasseburgia" und die gute "Metis" (und später auch die in Südtirol
gelegenen Schlaraffenreyche). Aber nun kamen und häuften sich wertvolle
Neugründungen, vor allem in Deutschland, dann auch trotz Auflösung des
Staatenverbandes Österreich-Ungarn in dessen Nachfolgestaaten. Neue Reyche
entstanden in Nordamerika; auch in Ostasien breitete sich Allschlaraffia weiter
aus ("Yedo Japonica"
[… Fortsetzung im Originalband]