Ratisbona

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 12 — Ratisbona (Regensburg). Geschichte aus Band I der Allschlaraffischen Chronik.

Volltext

frauen auf hoher Altane waren anwesend. Die Brücke in die Vergangenheit
schlägt das Leitmotiv des 1. allschlaraffischen Funke-Turneys vor 23 lahrun­
gen: "Der Menschueit Würde ist in Eure Hand gegeben, bewauret sie!" Stut­
gardia hat es getan. Freund zum Freunde, Mensch zum Menschen sein, das
bleibt unser Ziel. Turney-Sieger waren die RR. Laue-grün, Fryburgia Bris­
gaviae; Bastl, Monachia; Contrapunl~t, Brema; Gandui, Brundunum und Ilex
Renatus, Kilia.
Unser Nachwuchs: Monachia 27. 3. a. u. 21 (1880); Asciburgia 23.4. a. u.
22 (1881); Wiesbadensia 6. 3. a. u. 23 (1882); Francofurta 10. 1. a. u. 26
(1885); Gaudi mundi 8. 11. a. u. 65 (1924) und Hohentübingen 13. 9. a. u.
93 (1952). Ziehtöchter Am Stauffen und Heylbronnen.
Dank der Bemühungen unseres OSchl. Graf Eberl1ard sippen wir seit 7. 4.
a. u. 94 (1953) wieder in unserer alten, bis zur Auflösung behausten Burg.
Bei der Niederschrift dieser Chronik leben wir unserem 80. Stiftungsfest
im Hornung a. u. 100 und der 3. Allschlaraffische Funke-Feyer mit Turney im
Windmond a. u. 100 entgegen.
Nr.12 RAT I S BON A (Regensburg)
gegründet 14. 3. a. u. 20 (1879)
Im profanen Jahr 1879, nach der schlaraffischen Zeit­
rechnung a. u. 20, entsandte Uhu erstmals auch nach
dem Süden seine Sendboten, und als erster Uhuhorst
in Bayern wurde am 14. Lenzmonds im profanen Re­
gensburg die Colonie Ratisbona als zwölftes derer
Schlaraffenreyche und als zweite Tochter der hohen
Colonia Agrippina gegründet. Wie damals wohl in vie­
len Städten, waren die Gründer des Reyches vorwie­
gend Angehörige der profanen Schaubühne, die dann
jeweils gleichgesinnte Männer aus der Stadt um sich
scharten. Diese Erzschlaraffen waren laut Chronik des Reyches: die R. Hiesel
der Baier, ferner Parcival, Hinkebeinchen, TrulI, Mudd, Knutu, Span, Ralf,
Schnäuzchen, Fratz von Fratzenstein, Fäustling, Wimmeruolz, Meta der Zau­
berer, Cuampus, Paradies, Schönbartu. R. Hiesel gilt gleichzeitig als Stifter
des Reyches, denn er hatte von der hohen Colonia den Auftrag, hier am
Donaustrand die Gründung eines Tochterreyches zu versuchen.
Nach Gründungsbewilligung durch die hohe Allmutter erfolgte am 30. des
Lenzmonds a. u. 1580 der feyerliche Ritterschlag an den vorgenannten Recken.
R. Hiesel selbst wurde Oberschlaraffe, Parcival des Reyches erster Kantzelar. Da
er aber die Gemarkungen des Reyches schon bald verlassen mußte, übergab er
sein Ambt an den R. Schl1äuzchen. R. Hinkelbeinchen war Schatzmeister. R.
Trull Junker- und Ceremonienmeister. Die Burg hieß St. Thomas zum Keller;
Sippungstag war damals der Sonnabend. "Erst schaffen, dann schlaraffen"
lautete der Wahlspruch der hohen Ratisbona, und sie ist ihm treu geblieben
bis zur heutigen Stunde.
-
390­
Die Chronik meldet mit treHlichen Worten: "Lieber nahm sie die ganze
Strenge ihrer sich selbst gegebenen Gesetze in Anspruch, als daß sie Elemente
unter sich duldete, die nicht in jeder Hinsicht den Ansprüchen genügten, die
man an Schlaraffen stellte." Schon 1 Jahr später wurde die Burg in die Herren­
burg verlegt. Durch die Mitglieder der profanen Schaubühne entstanden in
diesen ersten Jahren bis zur Sanktion besonders innige Beziehungen.
Die Colonie blühte auf und es konnte bald die Sanktion von der hohen
Allmutter verkündet werden. Über deren Zeitpunkt ist leider nichts bekannt,
da alle Unterlagen mit Beginn der uhufinsteren Zeit vernichtet werden muß­
ten, um sie einer Beschlagnahme zu entziehen. Wir wissen nur, daß das Reych
sich einer besonderen Unterstützung durch den Kantzelar der hohen Allmutter,
des R. Hutten, erfreuen konnte, wofür das Reych ihm hohen Dank entgegen­
brachte.
R. Sd1öl1barth, der am 23. des Lethemonds a. u. 21 (1880) zur Herrlichkeit
gewählt wurde, verblieb über 13 Jahre in seinem Ambt. In dieser Zeit erfolgte
auch seitens des Regensburger Stadtrates die Genehmigung der Statuten. Am
18. des Hornung a. u. 23 ernannte das Reych Victor von Scheffel zum Ehren­
ritter GaudecH11Us, der diese Ehrung dankbar annahm. Bis zu dessen Tod fand
alljährlich eine Gaudeamus-Feyer statt.
Das 10. Stiftungsfest am 30. Lenzmonds a. u. 30 (1889) verlief unter der
Funktion der Hkten. Elektro, Quodlibet und Pipifax in würdigstem Rahmen,
wobei 23 Sassen aus den h. Reychen Colon1a Agrippina, Monachia, Augusta,
Norimberga, Onoldia, Dresdensia, Ulma und Herbipolis vertreten waren.
R. SdmäHzd1el1, der bereits 3 Jahre nach Gründung des Reyches die Ge­
markungen Ratisbonas verlassen mußte, gründete am 16. 10. a. u. 23 (1882)
als erste Tochter des Reyches die h. Regismontana, der bald darauf die Grün­
dung Herbipolis am 1. Christmond a. u. (1885) durch den ehemaligen Sassen
des Reyches Edler VOl1 Sd1ufterle erfolgte. Bereits am 7. 2. a. u. 23 (1882)
wurde als DoppelgTÜndung der Reyche Ratisbona und Sempronia das h.
Reych Budovicia gegründet.
Am 20. Lenzmonds a. u. 51 (1910) beging Ratisbona in gar feyerlicher
Weise mit 120 eingerittenen Recken das ~o. Stiftungsfest und erwarb sich
durch dessen glänzenden Ablauf ein Blatt mehr im Ruhmeskranze Allschlaraf­
fias. Die Führung hatten die Hkten. Fraasel1freultd, Über und SpartakHs. In
diesen Jahren tauchten auch erstmals Namen auf, die den heutigen Sassen
noch Begriffe sind, wie FaHstopheles, B. G. B. und Sc1lwalangsc1tör der Tuifele­
111aler.
Es folgte der erste Weltkrieg. In dieser Zeit waren als Oberschlaraffen die
Hkten. Über, Fraasel1freuI1d und Mörtell im Ambt. Als Erzschlaraffen lebten
noch die R. Parcival, Sd111äHzc1teH und Sc1töl1bartk Die Burg befand sich im
Neuen Haus, Koppensteige genannt.
A. u. 69/70 (192S/29) konnte die Ratisbona ihr 50. Stiftungsfest begehen.
Das Fest wurde im großen Festsaal des Neuen Hauses zelebriert, wobei von
der h. Allmutter Hkt. Ce/1tral und K. Recurs ihm die schlaraffische Weihe ga­
-
391 ­
ben. An
Gästen nennt die Chronik den damaligen Oberbürger­
meister Dr.
und Herrn Studinger vom Stadtrat. Das Festprogramm wurde
ausschließlich von Sassen der Ratisbona bestritten. Ohne Rücksicht auf die
Ehrfurcht vor der Allmutter hatte R. Minimax unter Mitwirkung eines ameri­
kanischen Schlaraffen ein Falsifikat eines erheblichen Dollarschecks mit einem
Begleitbrief dem Reyche zugestellt und durch die Hkt. Excelsior unseres Mut­
terreyches Colonia Agrippina als Geschenk überreichen lassen. Alle Sassen
waren beglückt. Es wurde eifrigst diskutiert, was man mit dem Mammon an­
fangen könne und erst am Schluß der Festsippung gestand R. Minimax in
einer reizenden
seine Missetat.
In der Sommerung des Jahres 74 mußte auch die Ratisbona zwangsläufig
ihre Pforten schließen, um die kommende uhufinstere Zeit teils als Stamm­
tisch in der Weißen Lilie, teils als Kegelabende in der Goldenen Gans durch­
zustehen, bis Uhu seine Schwingen wieder voll entfalten konnte.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges trug man sich auch in der Ratisbona
mit dem Gedanken der Wiederaufrichtung des Reyches. Alte Sassen waren
zurückgekehrt, Schlaraffen aus Schlesien und dem Sudetenland
jetzt Flücht­
linge in den Gemarkungen der Ratisbona -
gesellten sich neu zum schlaraf­
fischen Stammtisch ..
Von Landshut kam die Kunde, daß Hkt. Gosche1bauer der hohen Allmutter
dort wohnhaft geworden sei und versuche, die deutschen Schlaraffenreyche
wieder zum Leben zu erwecken. In mehreren Besprechungen unseres R. Vaga­
buudus mit Hkt. Goschelbauer war es im profanen Jahr 1948 soweit, daß die
amerikanische Militärregierung die Genehmigung für die Wiedereröffnung der
Schlaraffia Ratisbona gab, um die sich besonders die R. Vagabundus, Index,
Page und Schwalangschöl' bemühten.
Das Protokoll über die Gründungsversammlung am 24. Herbstmond a. u. 89,
die in einem Nebenraum der Gastwirtschaft Schützenhof stattfand, besagt, daß
als Oberschlaraffen die R. Vagabundus, Schwalal1gschör und DOI1 Brasilio ge­
wählt wurden, als K R. Pagauiuerl, lv1 R. ZiMnho, J R. Jsowitsdt, Sch R.
Käutzerl, C R. Zeuxis. Als Burg wurde das Bräustüberl der Brauerei Knei­
tinger bestimmt. Das Vereinsvermögen betrug lt. Protokoll bereits DM 200,~.
Damit begann eine langsame aber stetige Entwicklung und ein Hineinwachsen
in

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 405-409