Im Hornung a. u. 94 (1953) aber wurde das 70. Stiftungsfest überschattet
yon dem Ahallaritt unserer Eb~Hkt. Lobetanz, von dem das Reych wenige Tage
zuvor Abschied nehmen mußte. In seinem Sinne aber lag es und seiner Hilfe
war es zu danken, daß die Feier zu einer machtvollen Heerschau der Freunde
des Reyches aus allen Gauen des Uhuversums ward.
Das hohe Reych Carolsuhu ist heute eine würdige Heimstatt des Uhu. In
diesem beglückenden Bewußtsein beging das Reych das 7'5. Stiftungsfest, das
im Lethemond a. u. 99 (1958) celebriert wurde.
Nr. 50 ASS I N DIA (Essen)
gegründet 15. 9. a. U. 24 (1883)
Im Winter des profanen Iahres 1882/83 hatte
sich in der Gaststätte zur Rothenburg eine kleine
Schar angesehener Bürger zu geselliger Unterhal
tung zusammengefunden. Zu diesem Kreis gehör~
ten einige Herren, die der Gesellschaft Schlaraffia
in benachbarten Städten angehörten. Sie hatten so
viel vom Wesen der Sdllaraffia zu erzählen, und
sie verstanden, bei der Tafelrunde so viel
In~
teresse zu wecken, daß einige Zuhörer beschlossen,
sidl bei den in der Nähe befindlimen Smlaraffenreychen eingehend über Ziele,
Zweck und Gebräume dieser Vereinigung zu unterrichten. Die Berichte über
diese Besuche müssen so überzeugend gewesen sein, daß die Tafelrunde be
schloß, versumsweise einen ähnlichen Verein in Essen zu gründen.
Am 13. September 1883, oder wie dieser Tag schlaraffism hieß, am 13. des
Herbstmondes 1583, wurde der Beschluß in die Tat umgesetzt und die Co
lonie Assindia gegründet. Als Mutter und Ziehmutter übernahm die h. Elber
feldensis die Aufgabe, die neuen Mitglieder zu unterrichten, zu erziehen und
ihr smlaraffisches Werden zu überwamen. Als Gründer gelten der R. Toniha
VOI1 Pfeffermilnz, ehemals Ritter der h. Turicensis, und der R. SiJlred? VOI1
KUl1ostein, ehemals Ritter der h. Wormatia. Die Burg wurde in der genannten
Gaststätte zur Rothcnburg errimtet, zum Sippungstag der Samstag bestimmt
Zu Würdenträgern wurden gewählt: Sim5011 der Strolcl1enbiil1diger (oAe),
Sarastro von der heiligen Halle (0I), ToggeYlburg der Ferl1SpreiJler (oK),
Simson (K), SimsoH (Sch), Leo der Zoologiscl1e (Nt und C). Zu den ersten
Knappen gehörten die späteren vieljährigen Oberschlaraffen RHbens und
Lohel1grü1. Noch in der nächsten Winterung
158"1, es war das }ubiläums
jahr der Allmutter, das 25. Iahr seit ihrer Gründung am 10. des Weinlllonds
(Lethelllonds) 1'55'9, verfügte die Allmutter am 20. des Weinmonds auf Befür~
wortung des Mutterreymes Elberfeldensis mit Wirkung vom 28. desselben
Mondes die Ausfertigung einer Sanktionsbulle.
Von der Sanktiol1sfeyer, die am 9. des Hornung 1'5 S 5 stattfand, sind uns
Einzelheiten ni mt überkommen, es wird nur von einer einzigartigen Feyer
gesprou~en, "deren mämtige Klänge noch lange jubilierend in der Brust der
Teilnehmer nachwirkten". Bald erhielt das junge Reych wertvollen Zuwachs
481
31
Chronik
aus der Bürgersd1aft und aus Künstlerkreisen, wie die hohen Knappennum
mern der ersten und zweiten Jahrung beweisen. Von der Erstarkung des
schlaraffischen Gedankens innerhalb der Assindia und dem beachtlich hohen
Niveau des geistigen und künstlerischen Lebens zeugen die vielfachen Ver
öffentlichungen von Fexungen, Due1Jhieben, Sippungsprotokollen tl. a. m. in
"Der Schlaraffia Zeyttungen".
Eine besondere wertvolle Bereicherung des l'viitgliederbestandes erfuhr die
junge Assindia durch den Eintritt dreier Ehrenpilger, die aus heute nicht mehr
ersichtlichen beruflichen Gründen nicht ordentliche Mitglieder werden konn
ten, die aber bis zu ihrem Ableben treu zu Uhu standen; es waren die promi
nentesten Vertreter des geistigen und künstlerischen Lebens der Stadt: ein
Bürgermeister, ein Justizrat und ein Geheimer Studienrat, der letztere vjurde
noch im hohen Alter, als die Hemmungen weggefallen waren, zum Ritter ge
schlagen. Er stand bis zum Vorabend seines -
a. u. 25 (1884) erfoigten -
Ahallarittes, 88 Jahre alt, fast jeden Sippungsabend mit eigenen Fexungen
voll ul1verwüstliroen Humors in der Rostra.
Der unerwartet
Auftrieb, den in jenen Jahren der schlaraffische Ge
danke erlebte, war nicht weiter verwunderlich, denn es waren Deutschlands
glücklichste Jahre.
Schon am 11. des Ostermonds H85 konnte der erste Ritterschlag voll
zogen werden. Einen der Reychsgründer, Simson der Strolrnel1bäl1diger, führte
der profane Beruf als Gerichtssekretär in die uhufinstere Stadt Bielefeld, wo
er 1594 (a. u. 35) Mitbegründer der h. Ravensbergia wurde und dadurch Assin
dia zum Mutterreych dieser neuen Colonie machte. Die h. Ravensbergia ist
Assindias einziges Kind geblieben, aber durch die spiHere Entstehung: der
h. Crefeldensis und deren Tochter Gladebachum Monachorum und der h. Over
uhu~sia ist der Fortbes~and des Stammbaumes gesichert. Assindia ist Zieh
mutter einer großen Zahl der in der geographischen Nachbarschaft gegründeten
Colonien gewesen.
Das in den amtlichen Protokollen und anderen Niederschriften gesammelte
urkundliche Material ist durch die Verwüstungen in und nach dem 2. VIelt
krieg restlos verlorengegangen. Wir sind deshalb auf private Notizen und
persönliche Erinnerungen bei der Abfassung dieses Aufsatzes angewiesen.
Hier könnten evtl. noch Namen ehemaliger prominenter Bürger und Künstler
eingefügt werden, z. B. Bürgermeister Arntz, Kupferdreh, Amtmann Bock
v. WüHingen, KönigsteeIe, bekannte Essener Architekten (Kolbe, Kuhnkann),
Intendanten u. a. 1:1.
Die glückliche Entwicklung unseres Reyches in den ersten drei Jahrzehn~
ten Gcines Bestehens wurde, wie in fast allen Reychen, jä gehemmt durch den
Ausbruch des ersten Weltkrieges, aber die Sippungen konnten doch mit einer
stark verminderten Sassenschaft durchgeführt werden. Ein Ritter und drei
Junker fielen vor dem Feind.
Nach dem Kriege erholte sich Assindia rasch, bis a. u. 64 (1923) durch den
Einmarsch starker französischer Streitkräfte ins Ruhrgebiet mitten im Frieden
neue drohende Wolken am westdeutschell Himmel aufzogen. Zeitweise mußten
-
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wir unsere Burg räumen, aber wir fanden an anderen Stellen immer gern
gewährten Unterschlupf. So stellte uns die evangelische Kirchengemeinde
Essen-Altenessen-Süd für den Ritterschlag am 23. des Brachmonds a. u. 64
(1923) ihren sonst ausschließlich kirchlichen Zwecken dienenden Gemeinde
saal zur Verfügung.
Vier Jahrungen später konnten wir nach mandlerlei Irrfahrten unsere eigene
mit großen materiellen Opfern erbaute Burg in der Lazarettstraße beziehen.
In dieser Burg haben wir ein Jahrzehnt lang der in unserem Leitsatz gefor
derten Pflege von Kunst, Humor und Freundsdluft in hödlster sdllaraffischer
Verwirklichung und Vollendung gelebt, bis wir unser Heiligtum unter dem
der politischen Verhältnisse aufgeben mußten. In diese Zeit fällt auch
die mit großer Beteiligung und in Anwesenheit der Vertreter der Behörden im
Städtisdlen Saalbau am 7. des Heumonds a. u. 69 (1928) gefeyerte kombi
nierte Sippung der Westmarkrcyche.
Der im profanen Jahr 1933 zur politischen Macht gelangte Nationalsozialis
mus ließ uns zwar bis 1937 in Ruhe. aber wie überall madlte sich doch audl
bei uns nach und nadl und mehr und mehr der Druck der Partei und be
sonders der kleinen J'vladlthaber auf unsere Sassen geltend. Aum die Umglie
derung der Allsdllaraffia in eine Deutsdle Schlaraffia konnte die ständig zu
nehmende Zahl der Austrittserklärungen nicht aufhalten, so daß schließlidl
von 52 seßhaften Recken nodl 15 übrig blieben. Diese aber sippten uner
schrocken weiter. bis wir um am 28. des Hornung a. u. 78 (1937) auflösen
mußten. Den letzten Ritters~1-tlag vollzogen wir am 11. des Lenzmonds a. u. 76
(1935). Auch nach der Auflösung hielten die letzten Getreuen fest zusam
men. Die regelmäßigen Zusammenkünfte hörten erst auf, als die immer
stärker werdenden Bombenwürfe den Straßenverkehr unmöglich machten.
Unmittelbar nach dem Zusammenbruch 1945'
unser gesamtes Mobiliar
und vor allem unser vollständiger Ahallsdlrein war von Bubenhänden zer
schlagen worden -
versuchten wir, das Reydl wieder aufzubauen. Nam dem
ersten zwanglosen Treffen konnten wir am 8. des Chr
[… Fortsetzung im Originalband]