416 Pertha Australika
Es war Anfang der Neunziger-Jahre des letzten Jahrhunderts, als im westaustralischen Perth nach
Australien ausgewanderte, fahrende Mitglieder Schlaraffias die Idee aufgriffen, den 5. Kontinent aus
seinem uhufinsteren Zustand zu erlösen. So kam es, dass im Wonnemond a.U. 133 in der Heimburg
des damaligen Rt Terra Australis (Berolina) auch noch Rt Garibald (Floridana) und 4 weitere Profane
zusammenkamen, um den ersten Stammtisch Australiens zu gründen. Der dritte Gründungsritter,
Tschili von Carne (damals 325), lebte im fernen Sydney und konnte somit bei diesem historischen
Ereignis nicht zugegen sein. Man kam überein, sich jeden zweiten und vierten Freitag des Monats
Gl. 8 d.A. in der Heimburg von Terra Australis in den Hügeln von Perth zu sippungsähnlichen Zu-
sammenkünften zu treffen. Nach und nach kamen weitere Interessenten dazu. Rt Terra Australis
leitete die Treffen schlaraffisch gekonnt, aber den nun etwas zahlreicheren profanen Mitgliedern
war das schlaraffische Spiel natürlich fremd, was sich darin zeigte, dass man mit Spiegel & Cere-
moniale mehr schlecht als recht zugange kam. Das damalige Mutterreych Berolina zeigte sehr viel
Verständnis und stand mit Rat und Tat äußerst hilfreich zur Seite. Die Rtt Nie-Nie (2) und Aga-Mol
(2) halfen uns mit Noten, einer Musikkasette und einer Schallplatte mit Schlaraffenliedern aus, Rt
Terra Australis besorgte ein kleines elektronisches Clavicimbel, so machten wir auch bald gesang-
lich einen Quantensprung. Die Freude war groß, als unsere Bemühungen am 6.4. a.U. 135 mit der
Erhöhung des Stammtisches zum Feldlager belohnt wurden. Langsam sprach sich unsere Existenz
bei den deutschsprachigen in Perth herum und durch fleißiges Anwerben der Mitglieder gewannen
wir auch Neuzugänge für unseren Stammtisch. Einige blieben dabei, andere wieder sagten sich
los, das schlaraffische Spiel wurde offensichtlich nicht von Jedem verstanden, was natürlich auch
keiner erwartet hatte. Dies zeigte sich leider besonders deutlich bei drei der verbliebenen Mitglieder,
welche schon zu Stammtischzeiten durch Abspaltung versuchten, einen eigenen schlaraffischen
Verein auf die Beine zu stellen. Dies schlug fehl, sie traten aus, wir aber verloren unsere Mutter, der
die ganze Sache so langsam leid wurde und waren somit Waisen. Trotzdem machten wir weiter.
Die erflehte Hilfe kam durch den ASR, und hier ganz besonders durch unseren heutigen ER Comet
(54). Durch seinen Einsatz und den Übertritt unseres Gründungsritters Terra Australis erklärte sich
das h.R. An der Weinstrasse (358) bereit, uns die Mutterschaft anzubieten. Wie sich herausstellte,
hatten wir die beste Mutter gefunden, die sich eine aufstrebende Colonie nur wünschen konnte.
Auftrieb erhielten wir durch mehrere Einritte, darunter auch der damalige Jk Wilfried (242), inzwi-
schen zum Rt Ditscheridu erhoben, und Rt Silesianus (346), beide sind seit vielen Jahrungen bei
uns ebenfalls Ehrenritter. Am 8.8. a.U. 139 fand die ersehnte Erhebung zur Colonie statt. Sassen
aus 27 Reychen ritten aus dem ganzen Uhuversum zu diesem Ereignis ein und gaben unserem
Ehrentag einen feierlichen Rahmen. Rt Ebbes (368) zelebrierte die erste Sippung mit Bravour. Drei
Jahrungen später, am 7.8. a.U. 142, erfolgte die Sanktion, wodurch die Pertha Australika das erste
Reych in Australien und das 416. Allschlaraffias wurde. Mit großer Freude konnten wir die beachtli-
che Anzahl von 63 Rittersleuten aus 43 Reychen aus dem ganzen Uhuversum zu diesem einmaligen
Anlass willkommen heissen. In den fast 7 Jahrungen, die seither vergangen sind, gingen wir durch
viele Höhen, aber leider auch Tiefen. Wieder versuchten einige Sassen, einen eigenen Stammtisch
zu gründen. Auch hier griff der ASR entscheidend ein, indem er den Antrag auf Genehmigung
als Feldlager ablehnte. Mehrere neue Mitglieder wurden seither aufgenommen. In absehbarer Zeit
können wir eigene und permanente Burgräumlichkeiten beziehen und mit großer Zuversicht in die
Zukunft unseres Reyches schauen.
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
417 Hala Salensis
Eines der ersten Dokumente des Stammtisches zu Halle an der Saale in neueren Zeiten ist eine Art
Vademecum des Winters 1994/95. Ein Blatt reichte aus, um alles Wichtige festzuhalten: die Uhuta-
ge (mittwochs wie noch heute), das Lokal, die Namen der 4 teilnehmenden Pilger; der Planungs-
stratege war Dr. Hans-Henning Schmidt, längst Rt Oratorius der Stimmige (79), und Rt Stoffokles
der Dreiarmige (357).
Angefangen hatte alles mit einer Ausstellung. Auf der Suche nach ehemaligen halleschen Vereinen
stieß die Theaterhistorikerin Margrit Lenk auf die „Geschichte einer merkwürdigen Vereinigung”,
wie man die gemeinsam mit Erik Neumann (dem heutigen Rt Histofix vom letzten Drücker) ge-
staltete und am 18.9.1994 eröffnete Kabinettausstellung nannte. Es war zugleich das Datum der
Wiedergeburt Schlaraffias in der Salzstadt Halle - eine Wiedergeburt, weil es zum einen 1887 (am
11.02. a.U. 28) mit Hilfe des Mutterreiches Berolina (2) zur Gründung der Hala Saxonum (93) kam
(bis zur Selbstauflösung 1907 - a.U. 48), und weil des weiteren 1915 (am 6.3. a.U. 56) mit Hilfe des
neuen Mutterreiches Lipsia (3) die Hala (199) gegründet wurde, deren Auflösung 1937 - a.U. 78 dem
damaligen Regime in Deutschland geschuldet war. Der „urschlaraffische” Gründungsversuch einer
Colonie Salzmark (15.01. - 30.10.1933 - a.U. 74) sei nur am Rande erwähnt.
Die Mitgliedschaft und Lenkung im und durch das Reich Lipsia (3), hier sei besonders deren Rt
Ballstaff der Elfmeterschreck genannt, ließ die halleschen Jungschlaraffen reifen, so dass am 17.10.
a.U. 139 die Sanktionierung zur Colonie Hala Salensis (417) unter Beteiligung von Honoratioren der
Stadt und rund 300 schlaraffischen Freunden erfolgen konnte. Die Reichsgründung in der Salzgra-
fenburg erfolgte am 14.10 a.U. 141. Dankbar sei der langjährig-wohlwollenden Begleitung durch den
nunmehrigen Ehrenvorsitzenden des Sprengels 5/6 gedacht, des Rt Sym-Bartibas der Brillante (2).
Trotz jahrelangem Nomadentum (immer wieder musste die Burg gewechselt werden und zog das
Reich von Gaststätte zu Gaststätte) stieg die Zahl der Sassen auf 30. Seit Winterungsbeginn a.U.
148 gibt es endlich die selbst gestaltete und zentral gelegene Salzgrafenburg im Kellergewölbe der
Emil-Abderhalden-Str. 48.
Die Verbindung zum Mutterreych Lipsia (3) ist fest und greift Traditionen vergangener Zeiten auf:
jährlich alternierend finden die gemeinsamen Ha-Li- bzw. Li-Ha-Sippungen statt. Alle zwei Jahre
wird im sommerlichen Erntemond das Giebichensteinfest auf der Oberburg Giebichenstein ausge-
richtet, in dessen Verlauf wiederkehrend das Schicksal Ludwig des Springers im Mittelpunkt steht
(im Erntemond a.U. 148 bereits zum 8. Male).
Zwei Turniere sind nennenswert: das Minneturney (dem Sieger winkt eine schwere Kette) und das
Kochlöffelturney. Die reichseigene Publikation „Reychs-Postille” erschien mittlerweile bereits mehr
als 50 mal. Das Reich Hala Salensis hat sich bisher 4 Botschafter und 5 Ehrenritter erwählt; 4 der
eigenen Sassen sind selbst Botschafter und 2 Ehrenritter.
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s