Berna

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 70 — Berna. Reychschronik aus Band IV (a.U. 126-149).

Volltext

70 Berna
Mit glanzvollen Höhepunkten begann die Berichtsperiode. A.U. 124-127 leitete die Berna als „Vor-
ort” die Geschäfte des helvetischen Landesverbandes. Gleichzeitig stellte sie mit Rt Codex a.U.
125-127 den Vorsitzenden des ASR. Anderseits feierte sie am 18.5. a.U. 126 mit einer grossartigen
Festsippung ihr hundertjähriges Bestehen.
Die nachfolgenden 25 Jahre verliefen in einer Stimmung harmonischer Freundschaft, ungetrübt
von Missgunst und Streit. Das beglückende Zusammenspiel von Würdenträgern und Sassen, die
bemerkenswerte Fechsungsfreude und der neckisch fliegende Güldene Ball sicherten ein beachtli-
ches Niveau.
Der Wandel in der Zusammensetzung der Sassenschaft, vor allem der sinkende Anteil aktiver
Künstler, änderte allerdings Charakter und Thematik der Sippungen. Die Vorstellung des Geistes­
heroen erweiterte sich über den traditionellen Kreis der Dichter und Musiker hinaus Richtung Tech-
nik und Naturwissenschaft. Nach dem Renaissancemaler und -dichter Niklaus Manuel Deutsch
(seit a.U. 133 ES Schweizerdolch) wurde a.U. 146 aus Anlass des „annus mirabilis” Albert Einstein
zum ES Relativ gekürt.
An die Stelle sprachlicher Eigenschöpfungen (dankbar erinnern wir uns der in Ahalla weilenden Rtt
Cann-Opus und Sesam) trat zunehmend das literarische Zitat. Unverkennbar ist der Hang zum
Aphoristischen (philosophische Reflexionen und Spruchweisheiten), zum Anekdotischen und zum
Satirischen bis hin zum skurril Phantastischen. Beliebt sind auch Mundartliches und Geschichtlich-
Volkskundliches.
Die Mutzensippung will den Kontakt mit unseren Ehrenrittern und Stadtvennern lebendig erhalten.
Ausritte mit Gegenbesuchen stärkten die Freundschaft mit anderen Reychen; einen besonderen
Stellenwert besitzen die in meist zweijährigem Turnus stattfindenden Treffen von Sassen der drei
weit auseinander liegenden Reyche Brema, Castellum Noricum und Berna. Trotz dieser erfreulichen
Bilanz können wir nicht mit ungebrochenem Optimismus in die Zukunft blicken.
Mit Sorge erfüllt uns die Entwicklung der Sassenschaft. Deren Verjüngung gelang nicht im er-
wünschten Ausmass; der rückläufige Sippungsbesuch war die unübersehbare Folge. Zählten wir zu
Beginn der Winterung a.U. 126/127 noch 72 Sassen, darunter fünf Junker und zwei Knappen, führt
die Reychsmatrikel im Frühjahr a.U. 149 noch 39 Ritter neben einem Junker und zwei Knappen auf.
Mentale und gesellschaftliche Wandlungen in der Profanei halten leider viele an sich geeignete und
für unsere Ideale ansprechbare Männer ab, sich für einen Bund zu entscheiden, der von seinen
Mitgliedern regelmässige Präsenz und aktives Mitmachen erwartet.
Nicht nur wir selber, auch unser stolzer Besitz, die Trutzburg, ist in die Jahre gekommen; es drängte
sich eine bauliche Erneuerung auf. Als erste und wichtigste Maßnahme wurden auf Initiative un-
seres langjährigen ErbK und Hüters des Allschlaraffischen Archivs Rt Atlanticus und mit der wohl-
wollenden Unterstützung des ASR Brandschutzvorrichtungen installiert, um die bei uns verwahrten
historischen Schätze von unermesslichem Wert angemessen zu schützen.
A.U. 149 fällt der Berna wieder die Ehre des Vorsitzes im Landesverband zu, und sie rüstet sich zum
125. Stiftungsfest, das a.U. 151 an historischer Stätte über die Bühne gehen soll.
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
76 Francofurta
Nachdem der letzte Ritter, der bereits vor der Uhufinsternis in der Francofurta gesippt hatte, a.U.
122 gen Ahalla geritten war, bevölkerte nun eine neue Generation von Sassen den Rittersaal der
Faustburg im alten Bahnhof Oberrad. Die Befürchtung, dass die Bundesbahn im Zuge des Ausbaus
der S-Bahnstrecke hier eine Haltestelle einrichten würde, hatte sich nicht bestätigt. A.U. 128 wurde
der Bahnhof endgültig aufgelassen. Die Bahnschranken verschwanden, der Straßenverkehr bekam
eine Unterführung, es gab keinen Bahnsteig mehr, und in der ehemaligen Schalterhalle sippten nun
die Schlaraffen.
Um a.U. 135 nahm in der Profaney die Reform der deutschen Bundesbahn langsam Gestalt an. Zu
dieser Zeit waren Verhandlungen mit der deutschen Bundesbahn über den Kauf des Bahnhofsge-
bäudes schon einige Monate im Gang. Nachdem diese Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen
worden waren, schufen die Sassen des Faustreyches und Freunde aus benachbarten Gemarkungen
in einer gewaltigen Anstrengung jene Voraussetzungen, die a.U. 139/140 zum Kauf des Bahnhofs-
gebäudes samt Grundstück führten.
Zum ersten Mal hatte nun das Faustreych ein bleibendes Zuhause, ein Uhunest für alle nachfolgen-
den Generationen an Schlaraffen. Damit aber nicht genug: Wie es der Zufall (oder das Schicksal)
so will, liegt die neue Faustburg nahe bei der Gerbermühle, jenem Ort, wo des Faustreychs ES Faust
Marianne von Willemer begegnete. Eine Begegnung, die sich 1819 im „westöstlichen Diwan” zu
einer großen Dichtung formte. Im Bannkreis dieser magischen Landschaft vor den Toren Frankfurts
sippen nun die Sassen der Francofurta.
Ganz im Sinn dieser Verbundenheit mit dem ES Faust stehen auch die drei Allschlaraffischen Faust-
feiern in den Jahren a.U.126, 131 und 140, die - verbunden mit einem gar feierlichen Faustritterschlag
- viele Freunde aus den Weiten des Uhuversums in die Gemarkungen der Francofurta führten.
Nicht zu vergessen drei Freundschaftssippungen der Rhein-Main-Reyche, die unter Obhut des
Faustreychs standen. In den letzten 25 Jahrungen sind fast alle Sassen, die am Wiederaufbau des
Reyches nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt waren, gen Ahalla geritten.
Es ist ein lange Liste von 40 Schlaraffenbrüdern, die uns in den vergangenen 25 Jahren verlassen
haben. Ihren Weg ins Uhuversum haben hingegen nur 24 Männer gefunden. A.U. 124/125 hatte
die Francofurta 57 Sassen. Die Zahl stieg a.U. 127/128 auf 62. A.U. 139/140 waren es nur mehr 39
Sassen, 143/144 weist die Stammrolle 43 Sassen aus. Danach ist die Tendenz fallend auf 41 Recken,
welche jetzt das Banner des Faustreychs aufrecht halten.
Die Francofurta hat sich in den langen Jahren ihres Bestehens in vielen Wechselfällen ihrer schlaraf-
fischen wie auch profanen Geschichte immer behaupten können. In all den Jahren sind viele schöne
Sippungen, viele gute Erinnerungen, Leid, Uhufinsternis und die schlimmen Jahre nach dem Krieg,
aber auch der Glanz und die Kraft unserer Idee zu einem Teppich verwoben, in den viele Generati-
onen ihre Knoten geknüpft haben.
Und so werden wir wohl künftig noch in viele Bände der Allschlaraffischen Chronik unsere Ge-
schichte eintragen können, wohl behütet unter den Schwingen des Uhu und getragen von der
wunder­baren Leichtigkeit unseres schlaraffischen Spieles.
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
Quelle: Chronik Band IV, S. 278-279