Beschreibung
Riemenschneider, Tilman
Titel: Meister Til
Reych: Nr. 84 Herbipolis (Würzburg)
Geb.: um 1461 in Heiligenstadt
Gest.: 07.07.1531 in Würzburg
Volltext
deutscher Bildhauer und Holzschnitzer Man vermutet, dass es das Jahr 1461 war, als Tilman in Osterode oder Heiligenstadt als Sohn des Münzmeisters Tilman Riemenschneider geboren wurde. 1478 kam Til nach Lehr- und Wanderjahren, die ihn bis ins Rheinische führten, nach Würzburg, wo er 1483 mit wahrscheinlich 22 Jahren in die St. Lukas-Gilde zu Würzburg eintrat und vermutlich als Meisterknecht in der Werkstatt des Bildschnitzers Hagelfutter arbeitete. 1845 ehelichte er die Witwe Anna Schmidt, geb. Uchenhofer. Die 20 Jahre ältere Anna brachte neben drei heranwachsenden Söhnen den Hof zum Wolfmannszichlein in der Franziskanergasse, für Til das Bürgerrecht und das Recht, eine eigene Werkstatt zu führen, mit in die Ehe ein. Aus dieser Ehe entstammte eine Tochter, namens Gertrud, die 1507 den Hofschultheiß von Würzburg, Bemhard Hop heiratete. Seinen ersten großen Auftrag erhielt Til 1490 vom Rat der vor der Rhön gelegenen Stadt Münnerstadt. Es war der große Magdalenenaltar, an dem er bis 1492 arbeitete. 1491 gab der Rat der Stadt Würzburg den Auftrag für das Portal der Marienkapelle Adam und Eva in Stein darzustellen, woran er bis 1493 arbeitete. Der Kreuzaltar, zu dem ihn die Stadt Windsheim 1494 beauftragt hatte, ist leider verschollen. Den imponierendsten Auftrag erhielt Til 1496 im Auftrag des Bischofs und des Domkapitels mit der Erstellung des Grabmals des Bischofs Rudolf von Scherenberg in Marmor im Dom zu Würzburg. Nach dem Tode seiner ersten Frau 1495 heiratete er 1497 Anna Rappolt, die ein Haus in der Domstraße in die Ehe einbrachte und ihm drei Söhne und eine Tochter schenkte. es folgten 1500-06 die Erarbeitung von 14 überlebensgroßen Figuren der 12 Apostel, Christus und Johannes der Täufer für die Strebepfeiler am Chor der Marienkapelle in Würzburg, die Gestaltung des Kaisergrabes Heinrich II. und Kunigunde im Dom zu Bamberg (1499 - 1513), die Erstellung des Blutaltars in der St. Jakobskirche in Rothenburg (1501), das Grabmal der Dorothea von Wertheim in Grünsfeld (1503). Von 1505-25 gehörte Riemenschneider dem Rat der Stadt Würzburg an und wurde schließlich erster Bürgermeister. 1505 wurde ihm die Ehre zuteil, Kaiser Maximilian I. am Pleichacher Tor im Auftrag des Rates zu empfangen. 1507 schuf er den sog. Zwölfbotenaltar für die Stadt Windsheim. Nach dem Tode seiner zweiten Frau heiratete er Margarethe, die Witwe des Schmiedemeisters Würzbach, die ihm wiederum ein Haus in der Neubaustraße einbrachte (1508). Bis 1510 arbeitete er am Hochaltar im Würzburger Dom, dessen Hauptfiguren Kilian, Kolonat und Totnan leider in der Bombennacht am 16. März 1945 verbrannten. 1510 übernimmt Riemenschneider, inzwischen in den Oberen Rat der Stadt Würzburg gewählt, die Erstellung des Kreuzaltars in der Michaeliskirche zu Rothenburg. 1516 schuf er den St. Sebastian, der heute zusammen mit anderen Werken im Mainfränkischen Museum zu bewundern ist, bis 1522 das Grabmal des Fürstbischofs Lorenz von Bibra, 1522 die Rosenkranzmadonna auf dem Kirchberg bei Volkach, den Maidbronner Altar, sein größtes Werk, an dem er von 1520-25 arbeitete. 1520 ging er eine vierte und letzte Ehe mit Frau Margarete ein, die seine Wahl zum Ersten Bürgermeister miterlebte und ihn nach der erwiesenen Folterung 1525 bis zu seinem Tode liebevoll gepflegt hat. Nach seiner Folterung hat er keinerlei Werke mehr geschaffen. (Aus: „Die zerbrochenen Hände, Tilman Riemenschneider und seine Zeit", erschienen im Stürtz Verlag Würzburg, 2. Auflage, von Rt Unerhört (84), profan Michael Meisner, Verleger a. D. U. Ehrenlandrat a. D.).
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt