Reych Nr. 64

Schubart, Christian Friedrich Daniel

Unbekannt ·S-U

Beschreibung

Schubart, Christian Friedrich Daniel
Titel: Hans Tagdieb
Reych: Nr. 64 Ulma (Ulm)
Geb.: 24.03.1739 in Obersontheim
Gest.: 10.10.1791 in Stuttgart

Volltext

deutscher Dichter, Komponist, Organist, Journalist Das Leben Christian Friedrich Daniel Schubarts ist geprägt von den Ideen der Französischen Revolution, dem aufkommenden Bürgertum und dem letztendlich vergeblichen Versuch der Machterhaltung durch den Adel. Schubart gilt heute als seiner der bedeutendsten Wegbereiter der sogenannten “Sturm-und-Drang-Zeit” und als bekennender deutscher Patriot. Aufgewachsen im schwäbischen Aalen tendierte Schubart während seiner Kindheit und Jugend trotz eines ausgeprägten musikalischen Talents eher zum Müßiggang als zum fleißigen Lernen. Widerstand gegen die Gepflogenheiten zog sich durch sein gesamtes Leben. Sein Umgang war selten standesgemäß, während seiner theologischen Ausbildung bevorzugte er den Umgang mit Handwerksburschen und schrieb frivole Volkslieder. In dieser Zeit liegt auch eine Ursache für seine lebenslange Abneigung gegen die Geistlichkeit und eine damit verbundene gottgegebene Autorität. 1769 kam Schubart als Organist und Musikdirektor an den württembergischen Hof nach Ludwigsburg. Doch wollte er sich nicht mit dem Hof arranigeren, und auch sein Umgang und lockerer Lebenswandel sorgte am Hofe für Aufsehen. Darüber hinaus verfasste er erste Schriften, in denen er das Herzogtum Württemberg und die Geistlichkeit wie den ganzen Absolutismus offen kritisierte. Dies führte dazu, dass Schubart des Landes verwiesen wurde und sich in Augsburg niederließ. Hier gab er die “Teutsche Chronik” heraus, eine Zeitschrift, die so günstig sein sollte, damit sie überall gekauft werden konnte und neben politischen auch literarische, pädagogische und poetische Beiträge beinhaltete. Der Erfolg der “Chronik”, die bis zu 20.000 Leser erreichte, aber vor allem die politischen und klerikalen Kritiken, insbesondere gegen die Jesuiten, führte zum Verbot der Zeitschrift nach nur 5 Wochen. Schubart wurde aus Augsburg vertrieben und konnte erst in Ulm sein Werk fortsetzen. Um Schubart mundtot zu machen wurde er 1777 nach Württemberg gelockt, und verhaftet. In der Bergfestung Asperg wurde er über 10 Jahre lang als politischer Gefangener inhaftiert. Während dieser Zeit verfasste Schubart “Ideen zur Ästhetik einer Tonkunst” ein zeitgenössisches Dokument des damaligen Musiklebens. Alle Versuche, Schubart durch Isolationshaft und Gehirnwäsche gefügig zu machen, fruchteten nicht. Schubarts Ruhm und das Bekanntwerden seiner unrechtmäßigen Haft sowie die freiheitliche Bewegung in Deutschland führten dazu, dass er 1787 wieder freigelassen wurde, Wohl auch, um sein Wirken besser kontrollieren zu können, wurde er Musik- und Theaterdirektor in Stuttgart, seine “Chronik” gab er aber auch wieder heraus. Dieses Wirken machte ihn vor allem bei den unteren Schichten zunehmend beliebt, mit seinen Veröffentlichungen machte er sich für die Unterdrückten stark und klagte wie beispielsweise in “Die Fürstengruft” (1783) die herrschende Schicht an. Auf sein “Zur Geschichte des menschlichen Herzens” (1775) basieren Schillers “Räuber”. (Text: Rt. Koi (247))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt