Beschreibung
Stengel, Friedrich Joachim Michael
Titel: Baumeister-Barock
Reych: Nr. 158 Sarebrucca (Saarbrücken)
Geb.: 29.09.1694 in Zerbst
Gest.: 10.01.1787 in Saarbrücken
Volltext
deutscher Architekt und Ingenieur Nach dem frühen Tod seines Vaters kam der Vierzehnjährige schon auf die Berliner „Akademie der bildenden Künste und der mechanischen Wissenschaften". Unter seinen Lehrern erwähnte Stengel in seinem handschriftlichen Lebenslauf besonders einen Italiener, ohne ihn jedoch mit Namen zu nennen, der ihn anregte in Italien zu studieren. Von 1712-13 diente er im gothaischen Regiment in Italien während des spanischen Erbfolgekrieges und bildete sich während des Waffenstillstandes dort aus. Anschließend nahm er am deutschen Reichskrieg teil, der am Rhein weitergeführt wurde. Die Leitung des gothaischen Bauwesens lag zu jener Zeit in den Händen des Oberbaudirektors und Generalmajors Wolf Christoph Zorn von Plobsheim, Schlosshauptmann zu Friedenstein. Der von Stengel geäußerte Wunsch, sich ganz der Zivilbaukunst zu widmen, führte zur Ernennung zum Bauinspektor durch den Herzog von Gotha. Stengel war bei einer „General-Landesrenovatur" tätig und wirkte hier öfters bei „Grenzkommissionen" mit. 1721 musste er wegen der Grenzsicherung zwischen Eisenach und Fulda mit dem fuldischen Hof in Beziehung treten. In Fulda regierte zu jener Zeit Fürstabt Constantin von Buttlar, dem der Ruhm gebührt, das Talent von Stengel als erster entdeckt zu haben. Der Barockfürst Buttlar verlangte einige Risse von Gebäuden, die so zu seiner Zufriedenheit ausfielen, dass er ihn 1722 zum Architekten berief. In Fulda kam Stengel mit dem kurmainzischen und bambergischen Baudirektor Maximilian von Welsch in Kontakt. Nebenamtlich beschäftigte er sich als Pyrotechniker und Festarrangeur und unterrichtete die fürstlichen Pagen in der Ingenieurkunst. Anfang 1730 war er als fürstlich nassauischer Architekt und Baudirektor verpflichtet. Stengel wurde mit dem Ausbau der Residenz in Saarbrücken betraut. 1739 nahm ihn Fürst Wilhelm Heinrich zu einem längeren Aufenthalt an den französischen Hof mit. In allen seinen späteren Werken finden wir die Resultate seiner Pariser Studien. Der Winterbau des Biebericher Schlosses Iässt dies deutlich erkennen. 1751 wird Stengel gothaischer Rat und Baudirektor. 1752 nassau-saarbrückischer Wirklicher Kammerat und Generalbaudirektor, schließlich auch noch Forstkammerpräsident und Direktor des Waisen-, Armen- und Zuchthauses in Saarbrücken und 1775 als Einundachtzigjähriger in den Ruhestand versetzt. Stengel ist ungeachtet seiner norddeutschen Herkunft zu einem wichtigen Glied der blühenden rheinisch-fränkischen Schule geworden. Dass er unter dem Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken gearbeitet hatte, galt als besondere Empfehlung. Er ist für die Länder am Rhein und an der Saar ein bedeutender Kulturträger geworden und hat insbesondere das Stadtbild von Saarbrücken geprägt. Seine Hauptwerke in Fulda: Vollendung der Abtsresidenz, Errichtung der Florvase des Biebericher Schlosses, Witwenpalais in Ottweiler, Schloss Dornburg a.d. Elbe für die Mutter von Katherina II. von Russland, die Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst. In Saarbrücken: Prinzenpalais, Schlosspark, Ludwigskirche und Ludwigsplatz, Schlossplatz, Stadtmauer, Armen-, Waisen- und Zuchthaus, Oberamtsgebäude, Schloss Ludwigsberg, Gymnasium, kathol. Kirche in Eiweiler. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt