Beschreibung
Schwanthaler, Thomas (auch Schwabenthaler)
Titel: Thomas der Schwabenthaler
Reych: Nr. 314 Castellum Palustre (Ried / Innkreis)
Geb.: 05.06.1634 in Ried / Innkreis
Gest.: 13.02.1707 ebenda
Volltext
österreichischer Bildschnitzer Er war der erste bedeutende Meister dieser Familie und blieb auch ihr bedeutendster Vertreter in der Barockzeit. Wie wir wissen, war er schon mit 22 Jahren gezwungen, die väterliche Werkstätte zu übernehmen, in einem Alter, in dem andere seines Berufes erst auf die Wanderschaft gingen. Es muss ein unbändiger Lern- und Bildungsdrang in dem jungen Bildschnitzer gesteckt sein, denn schon in seinen ersten gesicherten Werken sehen wir ihn ganz eigene Wege gegenüber der damals üblichen Kunstrichtung im Innviertel gehen, die nur durch fleißiges Studium an der menschlichen Gestalt, besonders aber durch Aufnehmen von starken Einflüssen aus dem internationalen Kunstschaffen seiner Zeit zu erklären sind. Vor allem der italienische und der daran geschulte niederländische Kunstkreis waren damals tonangebend. Außer dem ausgewogenen und doch bewegten menschlichen Körper spielt bei ihm das Gewand als Mittel des Ausdrucks, das sogar zum Gegenspieler des Körpers wird, eine viel größere Rolle. Hier kann er im Aufkräuseln der Säume, im Rieseln herabhängender Partien seine ganze virtuose Schnitzkunst einsetzen. Der Wechsel zwischen eng anliegenden Gewandteilen, die die Formen des Körpers, sogar die Nabelgrube, durchscheinen lassen und den gedrehten, im Winde aufflatternden Tütenfalten - eine legt sich meisten mit vielen Knicken und Dellen zwischen die Beine der Standfiguren - ist ein charakteristisches Merkmal von Thomas' Faltenstil in seiner reifen Zeit. Die beiden Kriegerheiligen von Eitzing sind die Vorläufer der gleichen übergroßen Figuren am Rieder Hochaltar, der schon 1661 in Auftrag gegeben wurde und wohl den entscheidenden Durchbruch in seiner Anerkennung als Bildhauer in Ried darstellte. Wir besitzen besonders aus der Schaffensperiode um 1670 eine Reihe von pausbäckigen, anmutigen Kindergestalten, wie das Christkind von Andrichsfurt, das Kind auf dem Arme der Schutzmantelmadonna und das bezaubernde fliegende Englein vom Benedikt-Altar in Maria Plain. Der Hochaltar von Münsteuer ist das letzte gesicherte Werk von Thomas Hand (1686). Außer Elfenbeinarbeiten hat Thomas auch Kleinreliefs in Buchs- und Obstholz geschaffen, einst wohl begehrte Sammelobjekte für geistliche und weltliche Kunstsammler. St. Florian besitzt 2 Reliefs mit der Darstellung der Ruhe auf der Flucht und der hl. Magdalena. Thomas hatte schon vor der offiziellen Wappenverleihung auf dem Altarbauvertrag für den Doppelaltar von St. Wolfgang 1675 mit einem Petschaft gesiegelt, das sein Monogramm und einen heraldisch rechts gerichteten Schwan mit einem Reichstaler trägt. Ein redendes Wappen, das sicher dem ehrgeizigen und darum oft gekränkten Manne selbst eingefallen sein mag. Es ist eine Bestätigung der Namensbesserung „Swaintal - Schweintal- Schwabental - Schwanthaler", die sich in den Jahren kurz vorher, amtlich im Zusammenhang mit dem Choraltar in Ried 1661 durchgesetzt hatte. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt