Grazia

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 4 — Grazia (Graz). Geschichte aus Band I der Allschlaraffischen Chronik.

Volltext

der Geburtsstätte Allschlaraffias wurden nach 61 Jahren die schlaraffischen
Ideale für die reichsdeutschen Reyche zu Grabe getragen.
U/td wetlH uns jetzt die äußere Form zerbridlt,
Von eigHer Hmtd il1 fremdeH Zwal1g ersdtlagel1,
Dal1l1 laßt mit stolzem Sil111 ufld stolzem Al1gesidtt
UI1S UHser KleiHod /11 die Wüste tragen!
rief Eb-J. Zwil1/dy von
Rostra. Und mit dem Blick eines Hellsehers
prophezeite Eb-O. HaHseat-Lubeca:
Wir bleibeH die FreuHde. Hidtts
J~aI1H UI1S Ue/meH,
Ul1d ob audt der BU/td der ZerstöruHg geweiht,
Wir braudteH deH Sd1wur 11idtt aufs Heu zu be1eeHHel1,
Wir bleibeH Sdtlaraffel1 für ewige Zeit!
Nr. 4
G R A Z I A
(Graz)
gegründet 13. 10. a. U. 14 (1873)
Die Stadt Graz. im südöstlichen Zipfel des geschlossenen
deutschen Sprachraumes gelegen, ist seit eh und je ein
trutziger Punkt am Globus. Hierher kam 1572 Ca. u. 13)
aus der h. Berolina R. Orpl1elts (Carl 1'v1athias) geritten und
fand fruchtbaren Boden für einen Nestbau Uhus. Vielleicht
war in seinem neuen Freundeskreis bereits bekannt, daß
sich im nahen Klagenfurt eine fröhliche Rittertafel, "Uhlen­
horst" genannt, aufgetan hatte und daß der steirische Prinz
Erzherzog Johann seit Jahren an der Tafel der "Ritterschaft
auf blauer Erde" zu Sebenstein gewirkt hat. So kann man
es verstehen, daß es am 30. Lethemond 15'73 Ca. u. 14) zur Gründung der
Grazia kam. Die Zusammenkünfte fanden im Gasthof "Zum Erzherzog
Johann" statt, wo die von den Hkten. Orpheus (Carl Mathias), Hammersteil1
(Anton Roll) und Ohm (Josef Carmasimni) nach eigenster Eingebung
celebrierten Sippungen zufolge der Unbändigkeit der Sassen oft einen
so tumultartigen Verlauf nahmen, daß die Polizei einschreiten mußte.
In der zweiten Jahrung a. u. 15116 wurde in den Gasthof "Zur Pastete" über­
gesiedelt und hier die "Pastetenburg" geweiht. Der Sassenstand betrug bereits
zwanzig. Den Thron zierten Baumlzirdter (Alois R. v. Purgay) HaseHsd1red~
(Zeiler) und Telescop (Stern), und da letzterer unter dem Motto "streng, aber
ungerecht" regierte, kam es am 25. Hornung 1576 Ca. u. 17) zur Revolution.
Das Reych wurde aufgelöst, doch R. Pettlsel (Ferdinand Krauthauf) nahm Archiv
und Reychsschatz (6 Gulden und etliche Kreuzer) in Verwahrung.
Nach acht Monaten, am 4. Windmond a. u. 17 (1876), entstand unter Pemsels
Führung abermals im Gasthof "Erzherzog 10hann" eine wiedergeborene Grazia,
deren Burg "Sonnhameria" (Sonnhammerburg) genannt wurde. Dieser sich jetzt
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so gesittet benehmende "Gesellschaftliche Verein der Schlaraffia zu Graz"
wurde dann die heutige Grazia. Der damalige Sassenstand betrug elf Ritter,
vier Junker, sieben Knappen und sechs Ehrenritter.
Auf solchem festen Boden unter der Regentschaft Baumkircher, OrpheHs und
Petffsel konnte sich nunmehr das Reych weiterentwickeln und am 3. Lethemond
a. u. 20 die erste Tochter, d. h. Linzia, zur Welt gebracht werden. A. u. 34
(1893) erwies sich die "Sonnhammerburg" bereits als zu klein, und man über­
siedelte daher in das neu geschaffene Thaliarestaurant, wo die "Thaliaburg"
gebaut wurde. Wohl traten auch hier Unzufriedene auf, doch der Thron unter
Halmes (recte senna-H) (Hans v. Reininghaus), Sch1led~ (Carl Morre) und
Kling-Klcmg-Gloria (Domenik Klang) konnte die Stürme meistern. Nach dem
Ahallaritt Pemsels leuchtete als neuer Stern am Throne der Grazia Hkt. Sdmech
auf, der immer neue bedeutende Männer an sich zog: Heimgal'ten (Peter
Rosegger), Hauer (Hanns Brandstetter) und G'sangl (K. Erd).
Am 19. 1. a. u. 36 (1895) gelang es R. Harrand (A. Mouille v. Brückensturm)
im profanen Klagenfurt das Reych Claudium forum als zweite Tochter der
Grazia zu gründen.
Das 25. Stiftungsfest in den Redoutensälen (25.10. a. u. 40 [1899]) brachte
einen großen Einritt. Doch bald darauf ergriff die Grazia wieder den Wander­
stab und wählte den "Grünen Anger" als Heimstätte, die sie dann erstmalig
"Kapaunburg" nannte.
Durch den allzu frühen Ahallaritt der Hkt. Sdmeck trat eine Änderung am
Thron ein, den hinfort die Obersdllaraffen G'sangl, Florian Oohann Feuer­
löscher) und Andritz
Bendl) einnahmen. -
Die Jahrung a. u. 48 (1907)
bradlte die 1 000. Sippung und wiederum einen Burgwedlsel. Im neu erbauten
Hotel "Wilder Mann" wurde mit viel Mammonaufwand unter den schaffenden
Händen von Trenk (Ernst Zupan) und Ferdl (Ferd. Pamberger) eine neue
"Kapaunburg" gebaut. Hier konnte sidl das Reych am 10. 10. a. u. 49 zum
35. Stiftungsfest den zahlreichen Gästen präsentieren. Allenthalben leudltete
jetzt audl am Thron der bunte Rock des Soldaten (Hkt. G'sa11g1, Stutzl).
Das 40. Stiftungsfest im Lethemond a. u. 54 war das letzte große Fest
Grazias vor der ersten Weltfehde.
Während der Weltfehde wurde fleißig weitergesippt und mit den im Felde
stehenden Sassen stete Verbindung gehalten. Nadl dem Zusammenbrudl a. u. 59
sammelten sidl immer mehr und mehr Versprengte unter den Fittidlen Uhus,
so daß die Grazia auf einen Stand von 146 Sassen anschwoll.
In nächster Nadlbarsdlaft erfolgten jetzt die Gründungen der Tödlter "An
der Pruggen" und "An der Leuben". A. u. 64/65 (1923/24) kOl1l1ten diese
Tödlter bereits am 50. Stiftungsfest der Mutter Grazia teilnehmen. Zu dieser
Zeit regierten Frey (Franz Pidller), Wutze (Di Gaspero Heinridl), Patapouf
(August Stein) und Sterz (Karl Tama~sy).
Die Wahlschlaraffiade a. u. 69 (1928) bradlte als Neuerscheinung Hkt. Vier­
Tact Oosef Koch v. Langentreu) auf den Thron, womit bereits die sdllaraffisdle
Nadlkriegsgeneration i11 der Reydlsführung mitzuwirken begann. Die folgenden
370 ­
Jahrungen standen im Zeichen fröhlicher Feste und beachtlicher Ausritte über
die Staatsgrenzen hinaus. A. u. 70 wurde auch die jüngste Tochter der Grazia,
die h. "First im Felde", geboren. Die Jungritterschaft der Grazia wirkte pro­
duktiv und belebend und schloß sich a. u. 74 (1933) zu einer "Vergiß-mein­
nicht-Runde" zusammen, die Ersprießliches in bezug auf die Gestaltung von
Sippungsprogrammen leistete. In diese Jahrung fiel auch das 60. Stiftungsfest
mit der eindrucksvollen Festrede Hkt. Hirttzes.
Allmählich färbte die unruhige politische Lage auch auf die Grazia ab und
a. u. 78 (1937) trat nach einem stürmischen Wahlvorgang die Grazia mit einem
Großteil der Sassen dem neu gegründeten "Öst. Schlaraffenbund" bei. Die
"Allmuttertreuen" zogen aus der Kapaunburg aus und sammelten sich unter
Führung Pipin (Hermann Hausbrandt), Robes (Fritz Rob) und Vier-Tact im
"Gösser Restaurant". Am 16.3. a. u. 79 (1938) wurde der Verein "Schlaraffia
Grazia" aufgelöst, und es begann die neun Jahrungen dauernde uhnfinstere
Zeit, in der sich wohl die Sassen wöchentlich krystallinisch zusammenfanden,
das schlaraffische Leben war jedoch erstorben. In dieser uhufinsteren Zeit war
der Sassenstand der Grazia von 137 durch 35 Ahallaritte auf 102 zusammen­
gesduumpft.
Kaum war die zweite Weltfehde beendet, sammelten sich a. u. 86 (1945) die
"Allmuttertreuen", und unter vielen Mühen gelang es Vier-Taet, Spin-nett
(Rudolf Bischoff) und St. PaHly (Paul Schmidtbauer), bei den Behörden eine
Neugründung der Grazia zu erwirken. Endlich, am 26. 2. a. u. 88 (1947) war
es soweit, daß die Grazia in der konstituierenden Generalversammlung wieder­
erstand.
So ist vor allem Vier-Taet und Spil1-l1ett das so rasche Wiedererstehen der
Grazia zu verdanken. Doch dabei blieben sie nicht, sondern sie bemühten sich
sofort um das Zustandekommen eines Östen. Landesverbandes. Schon anläßlich
der Feyer unserer 2000. Sippung, am 15.11. a. u. 88 (1947), ward die
1. Legatentagung einberufen. Wie nach der ersten Weltfehde, so sammelten
sich auch nach der zweiten Weltfehde viele heimatvertriebene Sassen, vornehm­
lich aus den versunkenen südlichen Reychen, in der Kapaunburg. Die hervor­
ragendste Erscheinung war unter jenen Eb-Hkt. Faustus (Gustav Bernhard) der
h. Marpurghia. So erreichte die Grazia in kurzer Zeit einen Sassenstand von 85.
Das nächste große Fest war das 75. Stiftungsfest vom 4. bis 6. Brachmond
a. u. 90 (1949) mit einem beachtlichen Einritt nicht nur aus österr. Reychen,
sondern auch aus den Landesverbänden Deutschland (Gosch

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 384-388