Nr.48
B U D A PES T A
(BudapestiUl.1gtun)
gegründet 2. 12. a. u. 23 (1882)
Bereits im Jahre 15'81/82 wird vermeldet, daß in der
profanen Stadt
ein Verein von Künstlern und
Kunstfreunden bestanden habe, welcher einem Schlaraffen
reyd1 ähnlich war. Der Verein löste sich
binnen
Jahresfrist auf.
Im Jahre
,82 kam der fahrende Recke des h. Reyd1es
Vindobona, R. Nordl1iiuser der BesdmitteHe
Guro
und "Der Schlaraffia Zeyttungen"
Notiz: "Durch R. Nordliäusel' der
ßesd1l1ittet1e wurde die ßudapcstia
. Vindobona hatte die Mutter
stelle übernommen. Die Rit~cr MaHl!111Htl der sterbelde Komödiallt der h.
Bruna
Weiß) und De:ltsd1111eister der Ul1widerstelilicne der h. Am
stelodamia
standen de:n Gründer treu zur Seite. Die Vorbespre
chungen fanden im Erz"cbetvarosi-Klub statt, und es wurde
besCt~Io5sen,
am 2. des Christmonds 3. U. 23 (1882) die Gründungsfeier zu veranstal
ten. Außer den Obengenannten waren noch 21 präsumptive Erzschlaraffen des
anwesend. Dreißig Jahre später nennt die Stammrolle
nur noch drei dieser Erzschlaraffen : R. De'.ltsdmtcister und R.
im h. Reyche Juvavia und R. MalHi1tUt11 in h. Reyd1e
Die ersten Oberschlari'Jfen
waren R.
der den Bei
namen "der Damtbelisolm" angenommen hatte, und R. Zeus (Dr. G. Schulhof).
Unter den 24 Erzschlaraffen waren vier Schauspieler, zwei
und
ein Theaterkapellmeister.
Der erste harte Schlag traf das
Reis Allschlaraffias, als sein Gründer,
Lenker und Lehrmeister, Hkt.
am 14. des Ostermonds a. u. 24
(1883) seinen Ausritt gen Haml110nia anmeldete.
Das junge Reych hielt fest an den Satzungen des
unnachsichtlich alle Elemente entfernt, die sich nicht
erwiesen
hatten. So wurden noch vor der
der Colonie sechs Ritter, zwei
Junker und vier Knappen
und das Reych blieb diesem Prinzip bis
zu seinem Ende treu.
Die Sanktion, weldle R. Lal1gsaiH der SdJielle:1leger der h. Vindobona
im Auftrage der h. Allmutter vollzog, fand am 8. des Christmonds
a. U. 24
statt. Das
erstarkte immer mehr und mehr, und die
Anzahl der Sassen hatte sich innerhalb von 25 Jahrungen verdreifacht. Die
Kontinuität
blieb stets
und die Regierungen der Oberschlaraffen
Zeus (Dr. Schulhof), Gourl11et
Stadler), Ulfo (Dr. Hans Marcell Glaser)
und Lmz (Dr. LOTenz
sowie Ha!I1-1-1am (Schleif) überschnitten sidl in
vorbildlicher Weise.
Bis a. u. 53 (1912) feierten 111 Budapestias "Donauburg" 183 Schlaraffen
ihre Aufnahme in Allschlaraffia, und das Reych ward zur Ziehmutter der
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Colonien Posonium, Temesia und Mursa bestellt worden. Anno u. 48 (1907)
wurde Budapestias Tochter, das h. Reych T eschenia, gegründet.
Zahlreiche
Feste fanden in der "Donauburg" statt. Sie gipfelten
besonders in den Festsippungen zu Ehren der Ehrenschlaraffen. Die Chronica
Budapestiae aber vermeldet: "Wo es eine Träne zu trodmen gab, wo Frau
Sorge an die Türe pochte, da war Budapestta seit den frühesten ]aJtren ihres
BestaIrdes, wie ehre gUtige Fee, stets zur Stelle ul1d wußte Hicht Hur zu raten
uHd zu: tröstel1
Budapestia half vilid schwieg."
Dann kam der erste Weltkrieg mit der verhängnisvollen Nachkriegszeit.
Plötzlich war alles aus. Jede Vereinstätigkeit war unterbunden, Tausende von
Existenzen gingen zugrunde, bis endlich a. u. 60 (1919) an einem Herbstmond~
sonntag wieder die Sonne zu scheinen begann. Die übriggebliebenen Sassen
versammelten sich in einem Kaffeehaus der inneren Stadt und beschlossen, das
sdllaraffisdle Treiben und Leben wieder aufzunehmen. In kürzester Zeit zeigte
die Budapestia wieder jenes harmonisch geschlossene Bild, das diesem Reych
stets eigen war und seinen Ruf in Allschlaraffia begründete.
A. u. 67 (1926) wurde die Wiedererstehung der alten Donauburg in einem
neuen Heim gefeiert, und a. u. 72 (1931) meldet die Stammrolle des Reyches
80 Ritter, zwei. Junker, vier Knappen und sechs Fahrende, insgesamt also
92 Sassen.
Auch die ersten Anzeidlen der neuen Wirren, welche zum zweiten Weltkrieg
führten, konnten das stolze Reych nicht erschüttern. Es wurde gar fröhlich
gesippt, so manches Fest gefeiert und so manche Guttat nach altem Brauch
ganz i111 Stillen vollbracht. Die Stammrolle a. u. 77178 (1936/37) vermeldet
einen Sassenstand von 68 Rittem, zwei Junkem und einem Knappen sowie
sechs Fahrenden, insgesamt 77 Sassen. Große Namen finden wir darunter: Hkt.
Unser Vater ]el/ö, Erbkantzler VOlt WilIy-Balg, Erb-Hkt. Lenz, Großursippe
Ul1ser Tsdtokerl, Erb~O Fackeltanz und noch viele andere. Auch beruflich hatte
sich das Bild nicht verändert: vier Kapellmeister, zwei Musikprofessoren, zwei
Berufssänger, zwei Kunstmaler usw. Dazu eine große Anzahl Sassen aus
anderen Berufen.
Die letzten zwei Jahre des zweiten Weltkrieges brachten dann den Unter~
gang des Reyches, welches auf der festen Tradition der Freundschaft aufgebaut
war. Am 27. des Ostermonds a. u. 8" (1944) sippte Budapestia unter der
Funktion Eb~O Fackeltal1z in der 1807. Sippung zum letzten Male. Der jüngste
Knappe des Reyches, der den feierlichen Ritterschlag nicht mehr erfahren
konnte, trug die Knappennummer 3la.
Die wenigen, noch am Leben gebliebenen Sassen sind in der ganzen Welt
zerstreut. Elf davon leben noch auf der verwüsteten Stätte ihres einstmals
blühenden Reyches, wohl in profaner Bescheidenheit, aber dennoch glücklich
darüber, daß sie den hundertjährigen Bestand Schlaraffias wenigstens im Geiste
erleben dürfen.
.
Verklungen ist das frohe Lied der "Donauburg", und auch kein Roß schweif
orden weht mehr über den von bitteren Sorgen gebeugten Häuptern.
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Nt, 49 C A R 0 L S UHU (Karlsruhe)
gegründet 22. 1. a. 1l. 24 (1883)
Es begab sich. daß der Ritter
Kure1la I der Eil1
zige (Oswald HanCke), der als Sas,e der Allmutter Praga,
der h. Berolina und Oberschlaraffe der h.
großes
Ansehen im Uhuversum genoß. in die Gemarkungen der
badischen Residenz einritt, um dort als Direktor des
Hoftheaters die Erfüllung seines künstlerischen Lebens
zu finden. Die kunstsinnige Stadt hat ihm gar wohl ge
fallen, doch ließ es ihm keine Ruhe, daß hier UHU noch
keine Heimstatt gefunden. Er sammelte ein Häuflein
würdiger Männer, insonderheit Künstler des Hoftheaters, um Uhu ein Nest zu
bauen. Mit diesen gründete er am 22. des Eismonds a. u. 24 ein Schlaraffen
reych, das für immerdar den Namen Carolsuhu erhielt.
Unter der weisen Führung seines Gründers ist das junge Reych mit Uhus
Hilfe schnell ein
Reis am Stamme Allschlaraffias geworden, so daß es
in der Winterung a. u. 26/27 (1885'/86) einem gesunden Töchterlein das Leben
gab, das unter dem Namen AureIia Aquensis wonniglich gedieh und der Mutter
viel Freude und Ehre macht.
Alehr als zwei Dezennien konnte sich die hohe Carolsuhu zur Freude der
Sassen und Ehre des Uhu ohne ernstliche Kümmernisse entwickeln. Noch im
Hornung a. u. 47 (1906) wurde eine gewaltige Festsippung zu Ehren des
Reychsgründers Kurella celebriert, der das 40jährige Jubelfest als Schlaraffe
begehen konnte. Im Lethemond derselben Jahnmg aber mußten die Sassen des
Reyches und viele Freunde aus dem Uhuversum unserem Kure/la das letzte
Geleit bei seinem Ahallaritt geben. Seitdem versammeln sich alljährlich. wenn
sich die herbstlichen Nebel senken, die Rec'~en der Carolsuhu an seiner Ruh
statt, um Seiner zu gedenken.
Nachdem noch im Brachmond a. u. 55 (1914) das Concil zu Turicensis die
Macht und Herrlichkeit Allschlaraffias entfaltete, blieb der erste Weltkrieg
auf das schlaraffische Leben nicht ohne Einfluß. Viele Uhubriider tauschten die
Ritterrüstung gegen die profanen Waffen. Das Fähnlein der Recken, das sich
noch unter dem Banner der Carolsuhu scharte, schmolz arg zusammen, solange
Mars die Stunde regierte. Aber die Urkraft des schlaraffischen Gedankens
erwies, daß die innere und äußere Kraft des Reyches ungebrochen blieb und
auch durch die Wirren der folgenden Jahrungen keinen ernstlichen Schaden litt.
Wenn auch, wie in der Chronica des Reyches zu lesen ist, "im Hornung
a. u. 74 (1933) ein gar greulich Seuch ausgebrochen, und der Umstand si.ch
leyder auch im Reyche hat merkbar machet H, so konnte doch die Carolsuhu
noch im Ostermond ihr 50. Stiftungsfest in echt schlaraffischer Weise cele
b
[… Fortsetzung im Originalband]